Wo ist die Risikobewertung?
Von Prof. Dr. med. Edmund Lengfelder, em. Prof. für Strahlenbiologie der LMU München
Die Mobilfunkindustrie und die Politik arbeiten intensiv am weiteren Ausbau des 5G-Mobilfunknetzes und locken die Bürger mit dem Komfort und den Annehmlichkeiten eines nahezu unbegrenzten Internetempfangs, der intensiven Handy-Kommunikation, dem autonomen Fahren, der Möglichkeit der Steuerung der Haushaltsgeräte und der Heizung aus der Ferne usw. Den meisten Menschen ist nicht bewusst, dass damit die zunehmende Digitalisierung, Überwachung, Kontrolle und Steuerung aller Lebensbereiche möglich wird und einhergeht. Ebenfalls nicht bewusst ist den meisten Menschen die zunehmende Gefährdung durch die medizinisch-biologische Wirkung der mit 5G und anderen Funknetzen verbundenen elektro-magnetischen Felder EMF, auch durch die von den Telekommunikations-Unternehmen angepriesene Antennentechnik des Beamformings.
Neue Untersuchungen in Schweden belegen schwere Gesundheitsschäden durch den intensiven Ausbau des 5G-Mobilfunknetzes und die dadurch bedingte massive Zunahme der Strahlenbelastung durch die elektromagnetischen Felder EMF (kla.tv/38168).
Das Gehirn (mit allein 100 Milliarden Nervenzellen) und die meisten Organe unseres Körpers brauchen für ihre regelmäßige Funktion die ununterbrochene Interaktion, Steuerung und Kontrolle durch vom Körper erzeugte elektrische Pulse im Bereich von 300-700 Millivolt. EMF wirken direkt auf dieses hochkomplexe bioelektrische System des Körpers ein. Da man auch sehr intensive EMF weder spüren, noch riechen, noch sehen, noch schmecken kann, bedarf es einer gewisse Einwirkungszeit, bis die ernsten, teils sehr schmerzhaften Krankheitssymptome in Erscheinung treten. Bei vielen entwickelt sich nach zunehmender Einwirkungszeit eine zunehmende Elektrosensibilität. Wenn sie dann den hohen EMF-Strahlenfeldern in Richtung strahlenarmer Bezirke entfliehen, so zeigen sich oft bereits beim Eintreten in EMF-Strahlenfelder mit geringerer Intensität wieder die schweren Krankheitssymptome.
Die Industrie, Behörden und etliche "Strahlenfachleute" verweisen gerne auf die Grenzwerte der ICNIRP, der Internationalen Kommission für den Schutz vor nicht-ionisierender Strahlung. Die Allgemeinheit glaubt, es handele sich dabei um eine unabhängige Expertengruppe, die sich mit den möglichen gesundheitlichen Auswirkungen nicht-ionisierender Strahlung befasst und Empfehlungen zum Schutz davor ausspricht. Tatsächlich ist dies aber ein privater Verein, dem die Interessen der Politik offensichtlich wichtiger erscheinen als die Gesundheit der Bevölkerung. Die Wirtschaft und die Politik berufen sich gerne auf die großzügigen Grenzwerte der ICNIRP, die die riesige Zahl der wissenschaftlichen Belege für die Schädlichkeit von EMF-Strahlung nicht in strengere Grenzwerte umsetzen will.

Bildquelle: Deutsche Telekom
Die Telekom erklärt mit diesem Schaubild die „Strahl-Formung“ als neue Antennentechnik für 5G und jetzt auch für 4G. Während bisher die Mobilfunkmasten die Hochfrequenz HF ziemlich gleichförmig rundum abgestrahlt haben (im Bild: passive Antenne), wird durch die Technik der „Strahl-Formung“ von einem Antennensystem (Bild: aktive Antenne) eine Vielzahl von Mobilfunk-nutzern (z. B. Handy, Laptop) konzentriert angestrahlt, wobei der jeweilige Einzelstrahl den Bewegungen der einzelnen Personen folgen kann. Das führt bei größeren Entfernungen zu besserer Empfangsqualität und zu etwas kleinerem Stromverbrauch des Mobilfunkmastes, allerdings zu massiv erhöhten Strahlungsleistungen auf den Körper des Handy-Nutzers und zu den entsprechenden erhöhten medizinisch-biologischen Schäden.
NATO-Militärs haben großes Interesse am Ausbau und der Nutzung von 5G. In einem Schreiben vom Mai 2020 wandte sich das US-Verteidigungsministerium wegen der 5G-Strategie an die Regierungen der NATO-Länder. Darin heißt es: „Das Verteidigungsministerium muss die allgegenwärtige Konnektivität (Anm.: Verbindungen zu anderen Informationssystemen herstellen) nutzen, die die 5G-Funktionen bieten, um die Wirksamkeit, Belastbarkeit, Geschwindigkeit und Letalität unserer Streitkräfte zu vergrößern. Es ist notwendig, unsere Verbündeten davon zu überzeugen, das Gleiche zu tun, um die «Interoperabilität» der militärischen Anwendungen von 5G im Rahmen der NATO zu gewährleisten. 5G wird auch für die Geheimdienste und Spezialeinheiten äußerst wichtig sein: Sie wird wesentlich effektivere Spionagesysteme ermöglichen und die Tödlichkeit von Drohnenkillern erhöhen.“
Experten sagen voraus, dass 5G auch eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von Hyperschallwaffen einschließlich nuklearer Sprengköpfe spielen wird. Ein weiteres Problem der EMF besteht darin, dass ähnlich wie bei der ionisierenden Strahlung (Röntgen, Radioaktivität etc.) die ausgelösten langfristigen Gesundheitsschäden auch weiterhin über Jahre und Jahrzehnte mit der unterschiedlichen Strahlungsintensität der EMF untersucht, dokumentiert und in Doppel-Blind-Studien analysiert werden müssen. Da die Industrie, die Politik und das Militär durch strengere Grenzwerte ihre Interessen verletzt sehen, besteht von diesen Seiten kein Aufklärungswunsch.
Ein Blick auf die Geschichte von Asbest offenbart die politische Sachlage: Nach 50 Jahren Anwendung von Asbest in Technik und Wirtschaft lagen 1930 alle wissenschaftlichen und pathologischen Beweise der Ursache des tödlichen Krankheitsverlaufes durch Krebs und Asbestose vor. Durch die Lobbyarbeit der asbestverarbeitenden Wirtschaftszweige hat es dann über weitere 60 Jahre gedauert, bis 1993 Asbest in Deutschland verboten wurde. In der EU kam das Asbestverbot erst ab 2005 - nach Hunderttausenden von Asbesttoten allein in Europa.