ALLE WAREN DA – NUR GOTT NICHT!

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Ein Gastbeitrag von Silvia Hoffmann aus Hochheim/Main über den Katholikentag in Würzburg

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Katholisch, aber ohne jegliche Katholikentags-Erfahrung, meinte ich, ein ordentlicher Schuss göttlicher Spiritualität würde mir in dieser verkommenen Welt nicht schaden, und wo könnte ich mir diesen sicherer einfahren als auf einem Katholikentag, wo Gott, Jesus und Maria sich quasi die Klinke in die Hand geben und den Heiligen Geist auf mich herabregnen lassen würden? Bereit, in Gebet und Eucharistie getränkt zu werden, machte ich mich hoffnungsvoll und gläubig auf den Weg nach Würzburg.

Das Erste, was auffiel, war die unglaublich große Polizeipräsenz. Mannschaftswagen in Massen patrouillierten nonstop, stadtauf, stadtab. „Hier hat es in den letzten Jahren sehr viele Morde gegeben, die meisten in ganz Bayern“, erklärt uns eine Einheimische den Aufwand. Na, das lässt ja hoffen…

Das Motto des Katholikentages „Hab Mut! Steh auf!“ prangte in langen Plakaten vom Dom herab in riesigen rosa und lila Lettern. Keine zufällige Farbwahl, wie mir bald klarwerden sollte. Den ganzen politischen Wust, die unzähligen Podiumsdiskussionen mit Söder, Steinmeier, Ricarda Lang, Andrea Nahles und weiteren Politikern, die das Event zu ihrer Imagepflege nutzten, hatte ich in weiser Voraussicht bereits im Vorhinein auf der „Kirchentags-App“ ausgesondert. Mir ging es hier nicht um Politik, sondern um meine persönliche Verbindung zu Gott.

Doch wo war er? Hoffnungsvoll begann ich meine Suche auf der sogenannten Kirchenmeile, wo sich in einer Flut weißer Zelte zahllose Organisationen präsentierten. Kirchen-Organisationen? Äh … auch - aber weiter hinten. Die ersten Zelte auf meinem Weg waren die von der „Linken“ und der „SPD“, die offenbar das Christentum für sich entdeckt haben. „Warum ich als Sozialistin auch Christin bin“ fragt Claudia Haydt, Vizepräsidentin der Europäischen Linken, auf ihrem Flyer. „Weil es für mich selbstverständlich ist, auf der Seite der Schwachen zu stehen.“ Und folgerichtig hat denn auch das erste Podiumsgespräch der Christ:innen den Titel „Christsein und queer“. Ein Mann im kurzen Röckchen, Schleifchen im Haar und rosa Hoodie, auf dem der Spruch „Gott ist queer“ prangt, berät eifrig die Standbesucher. Welchen Gott meint er - Baphomet?

Der Arbeitskreis „Christ:innen in der SPD“ wirbt für eine „Verbindung von christlichen Werten und sozialdemokratischer Politik“. „Christians4future“ vereinigt das Fischsymbol mit der Friedenstaube und dem LGBTQIA-Emblem. Und da: die Rosa-Luxemburg-Stiftung sieht Katholikentage traditionell als Aufstehen „gegen staatskirchliche Bevormundung“ und „gegen den Papst“. Kein Witz! „Hab Mut, steh auf!“ wird als „sich gegen Hass und Hetze zu stellen, die das Klima im Land zu vergiften drohen“ interpretiert. Vergessen scheint „Religion ist Opium für das Volk“, der historische Leitspruch von Karl Marx. Wirklich? Oder geht es hier etwa nur darum, das „Opium“ in Sozialismus umzumünzen?

Die Konrad-Adenauer-Stiftung wirbt mit „Religion braucht Politik“. Nein, nicht umgekehrt! Was wäre Gott schließlich ohne die CDU? Den gäb’s ja dann gar nicht. Keine einzige Veranstaltung, nicht einmal die Kinderabendandacht im Zirkuszelt, kommt ohne linke Parolen aus. Statt spiritueller Schöpfungsandacht ein politisches Klima-Event.

Ich bin schockiert. Bis jetzt habe ich nicht ein einziges Mal die Worte Gott, Jesus, Heiliger Geist oder irgendetwas Biblisches gesehen oder vernommen.

Anscheinend bin ich hier falsch. Begebe mich zu den spirituellen Veranstaltungen wie Gottesdiensten, Eucharistiefeiern, biblischen Gesprächskreisen, Meditationsräumen und Gebeten. Hier geht es immerhin noch einigermaßen traditionell katholisch zu. In Räumen der Stille und spirituellen Gesprächskreisen finde ich doch einiges, was ich gesucht habe. Ein Hauch vom Geist Gottes ist spürbar. Mich irritiert nur, dass statt „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ gesagt wird: „Im Namen Gottes, der ja Vater und Mutter ist.

Auf dem Weg von einer Veranstaltung zur anderen schlagen mir Rock-, Pop-, Reggae- und Heavy-Metal-Klänge sowie eine Inflation von Ethno-Chören entgegen. Ein überdimensionales Weihrauchfass ziert den Marktplatz. Die Veranstaltung mutet wie eine Mischung aus Buchmesse, Kölner Karneval und Nacht der Museen an. Rummel und Remmidemmi. Wieso sind auf einem Katholikentag keine katholischen Kirchenchöre zu hören? Wo ist Jesus? Wo ist Maria? Wo ist der Heilige Geist? Wo ist Gott?

Vor einer der Kirchen - wenig beachtet - stehen Plakate, die sich mit dem sexuellen Missbrauch von jungen Gläubigen befassen. Ganz am Rande, in einer einzigen Veranstaltung, ist auch das Thema auf dem Katholikentag. Interessiert aber kaum. Denn es muss ja das „Steh auf!“ der Ungläubigen gefeiert werden. Hier wird der Zeitgeist zelebriert, nicht der Glaube und nicht der Katholizismus - und ganz gewiss nicht Gott. Man möchte die Ungläubigen „abholen, wo sie stehen“, erklärt mir ein Pastor auf meine kritische Nachfrage. Gut und schön, aber muss man sich deswegen gleich komplett selbst aufgeben? Ich bin entsetzt.

Oh! Anselm Grün ist auch mit von der Partie. Den mag ich, da gehen wir mal in die Veranstaltung mit 1.200 Plätzen. Doch, oh Schreck, auch er redet vom Aufstehen gegen die Hatespeech im Internet und stößt ins linkspolitische Horn. Dazu spielt eine Kölsche Band im Karnevalssound Lieder von Höhnerqualität, die sich nur wenig von „Trink doch eine met“ unterscheidet, offensichtlich an die zugewanderten Flüchtlinge gerichtet. Die seligen Zuhörer klatschen und singen mit und kaufen ordentlich Anselms Bücher und die CDs.

Ach ja, hatte ich’s erwähnt? Die AfD war ausgeschlossen. Die muss offenbar nicht „abgeholt“ werden. Für die ist der „Gott“ dieses Kirchentags nicht da. Vielleicht besser so für sie, denn dem wahren Gott wären sie hier sicher nicht nähergekommen.

So bleibt als Fazit dieses Katholikentags: (Fast) alle waren da – Gott nicht!