Ein Gastbeitrag von Dr. Josef Thoma

In der Nacht zum 10. April 2026 wurde in München ein Anschlag auf ein israelisches Restaurant verübt. Personen kamen nicht zu Schaden. Immerhin waren zwei Löcher im Asphalt sowie mehrere Glasscherben aus geborstenen Fenstern zu beklagen.
Die Rauchschwaden hatten sich kaum verzogen, als die Mainstream-Medien den für solche Fälle stets griffbereiten Empörungsmodus aus der 2. Schublade rechts in der dritten Reihe von unten zogen und ihr gesammeltes Nichtwissen zum Besten gaben: Ein feiger Anschlag sei es gewesen, aus antisemitischer Gesinnung heraus verübt. Die Süddeutsche Zeitung widmete der Kundgebung am Tatort breitesten Raum: Die Teilnehmerzahlen schwanken noch zwischen wenig und viel, sicher aber ist die Teilnahme der Omas gegen Rechts, von Vertretern der Gewerkschaft ver.di und natürlich von Politikern ebenso wie Politikerinnen fast aller Couleur, wie es hintersinnig heißt. Erinnerungen an den 9. November 1938 wurden allenthalben beschworen.
Falls Sie, liebe Leser, nicht wissen sollten, was an diesem Tag, dem 9. November 1938, geschah, so seien Sie daran erinnert, dass sich an diesem Tage nicht etwa der fortgesetzte israelische Völkermord an den Menschen in Gaza und auch nicht die Ermordung von 170 iranischen Schulmädchen während der israelisch-amerikanischen Luftangriffe und schon gar nicht der Tod von mehr als 300 Menschen jährt, die jüngst bei den wahllosen israelischen Bombardements im Libanon ausgelöscht wurden. Nein – am 9. November gedenken wir alljährlich der sogenannten Reichskristallnacht, des Beginns der Judenpogrome und letztlich des Holocaust in Nazideutschland.
Feige – ja, das war er, der Anschlag auf das israelische Restaurant in München, und durch nichts, aber auch gar nichts zu rechtfertigen. Mögen die Täter die ganze Härte des Rechtsstaates treffen, wenn sie denn gefasst werden.
Aber antisemitisch war dieser Anschlag erst dann, wenn dies einwandfrei nachgewiesen ist. Nachgewiesen ist aber jetzt schon, wie leichtfertig, wie leichtsinnig und wie von durchsichtigen politischen Motiven geleitet der Begriff des „Antisemitismus“ hierzulande oft missbraucht wird.
Wäre etwa die Wirtsstube des bayerischen Restaurantbesitzers um die Ecke verwüstet worden, so käme selbst die fanatischste „Oma gegen Rechts“ kaum auf die Idee, es handele sich hier um einen antiklerikalen, katholikenfeindlichen Anschlag, nur weil der Restaurantbetreiber katholisch getauft ist. Der Vertreter des Heiligen Stuhls hätte sicher keinen Anlass zu einer päpstlichen Solidaritätskundgebung am Tatort gesehen; die einzige Kundgebung wären vermutlich ein paar Touristen gewesen, die sich in der begründeten Hoffnung, einige Maßkrüge abstauben zu können, durch die Trümmer wühlen.
Viel wahrscheinlicher ist dagegen ein antiisraelisches Motiv.
Wahrscheinlicher deshalb, weil sich die Gräueltaten, Morde, Verwüstungen, unprovozierten Überfälle und andere wohldokumentierte Kriegsverbrechen der israelischen Regierung, angeführt von einem international gesuchten Kriegsverbrecher, unter Billigung von, so sagen Experten, fast 90 Prozent der israelischen Bevölkerung, tagtäglich aufs Neue wiederholen und jedes Bemühen um Frieden konterkarieren.
Das macht die Münchener Tat zwar nicht weniger verwerflich; aber per se antisemitisch ist ein Anschlag auf ein israelisches Restaurant ebenso wenig, wie die Verwüstung der niederbayerischen Kneipe eines zufällig katholischen Betreibers antipäpstlich ist: Der jüdische Glaube, gegen dessen Angehörige der Antisemitismus sein hässliches Haupt erhebt, hat mit dem von den Repräsentanten des Staates Israel verübten Sengen und Morden nichts, aber auch gar nichts zu tun. Die jüngsten Kriegsverbrechen Israels geschehen eben nicht in Befolgung mosaischen Glaubens, lassen sich aus diesem auch nicht begründen. Wer dies in Rechtfertigung seiner Kriegsverbrechen dennoch versucht, zeigt, dass er diese jahrtausendealte und wahrhaft ehrwürdige Religion nie wirklich begriffen hat.
Ziehen wir ein Fazit: Antiisraelisch ist nicht antisemitisch!
Der inflationäre Gebrauch des Begriffs antisemitisch wird den Leiden der Opfer des Holocaust nicht gerecht.
Und was das Gefährlichste ist: Die fortgesetzten Verbrechen der israelischen Regierung an unschuldigen Zivilisten, ihre kriegslüsternen Phantasien von einem Groß-Israel auf Kosten anderer Zivilisationen ebenso wie die unglücklicherweise breite Unterstützung dieser Verbrechen durch einen beträchtlichen Teil der israelischen Bevölkerung sind mehr als alles andere geeignet, einen neuen Antisemitismus zu schüren.
Und gerade in dieser Befürchtung mögen sich dann durchaus die Sorgen der Omas gegen Rechts, von Charlotte Knobloch und allen geschichtsbewussten Zeitgenossen treffen. Nämlich: Wehret den Anfängen!
Anm.d.Red.: Zur Online-Video-Erstveröffentlichung des Beitrags von Dr. Thoma hier entlang.