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Ein Gastbeitrag von Thomas T., Frankfurt

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Wenn man selbst davon überzeugt ist, zu einem bestimmten Thema „den Durchblick“ zu haben, wundert man sich meist über die Menschen, die genau entgegengesetzt denken und handeln. So geht es beiden Seiten.

Zwei Lager, zwei Wirklichkeiten


Die „Querdenker-Community“ wundert sich: Warum werden immer noch Windräder gebaut und Reste von Kernkraftwerken zerstört, wenn doch längst klar geworden ist, dass wir mit alternativen Methoden nicht die gewünschten Ziele erreichen? Wieso laufen manche Menschen im Frühling 2026 noch immer mit Masken durch die Straßen und lassen sich noch gegen Corona impfen, obwohl das gefährlich und ungesund ist? Weshalb glauben Kirchen oder sogar Supermarktketten, dass sie sich gegen die Abschiebung von Gewalttätern oder gar gegen politische Parteien positionieren müssen? Warum tun unsere Politiker noch immer so, als würden sie „unsere Demokratie“ mit viel Steuergeld und NGOs vor „Rechtsradikalismus“ schützen, wenn es doch nur um ihre Gehälter und sicheren Renten geht?

Dagegen wundern sich „die anderen“: Was können wir für den Klimaschutz tun? Wir wollen doch nur, dass unsere Kinder und Enkelkinder in einer intakten Umwelt aufwachsen. Wie kann irgendjemand Menschen aus Deutschland rauswerfen wollen, die sich mit letzter Kraft vor Krieg und Hungersnot hierhergeschleppt haben? Wieso stören sich Menschen an Drag-Queens und deren Lesungen in Kindergärten? Die können doch Kindern helfen, die glauben, im falschen Körper zu stecken, und sind lustig, bunt und unterhaltsam. Warum sind manche Leute so stur und weigern sich, ihre Sätze zu gendern? Das macht doch kaum Mühe und ist so respektvoll gegenüber Minderheiten.

Das Problem hat damit zu tun, dass alle denken, sie seien umfassend informiert. Die einen vertrauen seit Jahrzehnten zufrieden der Tagesschau und dem Spiegel, die anderen sind froh darüber, alternative Nachrichten wie Nius, Kontrafunk oder KLARTEXT zu haben. Jeder vertraut der Quelle seiner Wahl und entscheidet sich deshalb oft für oder gegen Impfen, Wehrdienst, Klimaschutz und anderes.

Das geht sogar so weit, dass manche Leute Friedensdemonstrationen ablehnen, weil sie von der politisch „falschen Seite“ organisiert sind. Letztlich wundern sich beide Lager: „Sehen die anderen nicht den Fehler, der für mich schon seit Jahren offensichtlich ist?“ Leider nein. Man findet nicht mehr zusammen, und eine Belehrung ist oft zwecklos.

Die Angst vor der falschen Seite


Aber haben diese beiden Lager vielleicht doch viel mehr gemeinsam, als sie denken? Ich glaube schon und behaupte, dass es mit einer ganz bestimmten Angst zu tun hat, die seit der Kindheit in vielen Deutschen schlummert und sich auf einen Satz reduzieren lässt: „Bitte lass mich nicht auf der falschen Seite der Geschichte wach werden, wie es meinen Großeltern unter den Nazis ergangen ist.

Die Angst davor, aufgrund einer falschen Bemerkung oder Ansicht den Stempel „Nazi“ aufgedrückt zu bekommen, ist für beide Seiten sehr bedrohlich. Schließlich will man aus den Fehlern der Geschichte gelernt haben. Man möchte nicht wie nach Kriegsende vom Gegner hören, dass man Minderheiten unterdrückt und den Kindern die Zukunft zerstört hat. Und dieser furchtbare Vorwurf wäre ja nicht nur ein Zeichen dafür, nichts aus der Geschichte gelernt zu haben. Nein! Wer trotz jahrzehntelanger Aufklärung gegen Rechtsradikalismus irgendwann feststellt, doch auf der falschen Seite der Geschichte gewesen zu sein, ist nicht nur zu weit rechts, sondern auch noch blöd!

Aber waren unsere Großeltern tatsächlich alle so blöd? Hatten sie nicht auch Sorgen um ihre Kinder und die eigene Sicherheit? Ging es unseren Großeltern und Urgroßeltern unter den Nazis nicht so, dass sie von falschen Versprechungen und Nachrichten getäuscht wurden, denen sie vertraut hatten? Bestimmt hatten viele ehrliche Angst vor den Feindbildern der Juden oder der Russen und den monströsen Eigenschaften, die ihnen angedichtet wurden. Ganz sicher hatten sie auch besonders viel Angst vor den Nazis selbst und sagten aus Vorsicht nichts „Falsches“. Dass man mit einem falschen Kreuz in der Wahlkabine den Bau von Konzentrationslagern mitentschied, in denen ganze Familien aufgrund ihrer Religion ermordet wurden, haben die meisten Deutschen nicht geahnt und nicht gewollt. Trotzdem mussten sie nach dem Krieg zugeben, dass sie auf der falschen Seite standen.

Heutzutage haben einflussreiche Gruppen gelernt, wie effektiv es ist, Mitmenschen, die eine „falsche Meinung“ haben, als „Nazi“ zu beschimpfen. Auch die CDU bekam Angst vor der Nazi-Keule, als Anfang 2025 ein Antrag im Bundestag mit Stimmen der AfD eine Mehrheit erhielt. 160.000 Demonstranten von Campact, Fridays for Future, Verdi, BUND, Amnesty und den Omas gegen Rechts schüchterten die Kanzlerpartei im Konrad-Adenauer-Haus derart ein, dass sie sich seitdem kaum mehr traut, von links auch nur Richtung Mitte zu rücken.

Wenn Sorge verbindet


Leider erfährt man immer erst im Nachhinein, ob die Quelle, der man vertraut hat, ehrlich war oder ob mit einer Lüge ein bestimmtes Ziel verfolgt wurde. Geschichtsbücher werden erst viele Jahre nach den Geschehnissen geschrieben, wenn mit zeitlichem Abstand ein genaueres Gesamtbild entstanden ist.

Während der Corona-Zeit dauerte es eine Weile, bis ich verstand, dass manche Freunde, die mich zu einer Impfung überreden wollten, sich sehr um mich ängstigten. Als ich ihnen im Gegenzug offenbarte, mir große Sorgen um ihre Gesundheit zu machen, führte dies einige Male zu einer Versöhnung und festigte die Verbindung.

Was für ein schöner Moment, als wir verstanden, dass wir uns gegenseitig nur Sorgen um die Gesundheit des anderen gemacht hatten und es gar nicht um Zwänge und Gesetze ging.