CHE GUEVARA AUF DEM T-SHIRT?

von Redaktion — über |

WAS VIELE NICHT WISSEN WOLLEN

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Es gibt Ikonen, die sind offenbar gegen Geschichte imprägniert. Che Guevara gehört dazu. Sein Gesicht klebt auf T-Shirts, Postern, Kaffeetassen und Studenten-WGs, als sei er eine Mischung aus Popstar, Heiligem und lateinamerikanischem Robin Hood. Ein Bart, ein Blick, ein Barett – fertig ist die Revolutionsromantik für Menschen, die sich Revolution am liebsten als hübsches Accessoire überstreifen.

Alina Fernández, die Tochter Fidel Castros, hat für diesen Kitsch eine nüchternere Erklärung. Wer Che verherrliche, feiere einen Mann mit „Blut an den Händen“. Sie erinnert daran, dass Guevara zu Beginn der kubanischen Revolution für zahlreiche Hinrichtungen verantwortlich war. Das ist keine rechte Verschwörungsliteratur, sondern historischer Kernbestand: Nach dem Sieg Castros war Guevara mehrere Monate für das Gefängnis La Cabaña zuständig, wo Menschen als Feinde der Revolution hingerichtet wurden. (Encyclopedia Britannica)

Aber wer will das schon auf einem T-Shirt lesen?

Der reale Che stört den dekorativen Che. Der reale Che war kein harmloser Rebell mit Fotogenität, sondern ein revolutionärer Funktionär, der Gewalt nicht als tragischen Betriebsunfall betrachtete, sondern als legitimes Werkzeug der neuen Ordnung. Sein Mythos lebt davon, dass man das Opfer aus dem Bild schneidet. Übrig bleibt das Gesicht. Das ist der Trick jeder politischen Ikonographie: Sie macht aus Tätern Symbole und aus Toten Fußnoten.

Dasselbe Muster kennt man von Castro, Stalin, Mao, Pol Pot oder Kim Jong-Un. Erst kommt das große Versprechen: Gerechtigkeit, Gleichheit, Befreiung, der neue Mensch. Dann kommen die Listen, die Lager, die Tribunale, die Sprachregelungen, die Denunzianten, die Mangelwirtschaft. Und am Ende erklärt irgendein westlicher Bewunderer, es sei leider alles etwas aus dem Ruder gelaufen. Wie bedauerlich. Die Idee war selbstverständlich großartig.

Nein. Eine Idee, die den Einzelnen dem Kollektiv opfert, trägt die Gewalt bereits in sich. Sie muss den Bürger umerziehen, weil er nicht so ist, wie die Ideologie ihn braucht. Sie muss Eigentum verdächtigen, Religion verdrängen, Familie politisieren, Widerspruch pathologisieren und Flucht als Verrat brandmarken. Der Mensch wird nicht befreit, sondern bearbeitet.

Stalin nannte das Klassenkampf und ließ ganze Gesellschaften unter Terror erstarren. Die „Große Säuberung“ der späten 1930er Jahre bestand aus Schauprozessen, geheimen Verfahren, Exekutionen und massenhaften Inhaftierungen. (Encyclopedia Britannica) Maos „Großer Sprung nach vorn“ sollte China in die sozialistische Zukunft katapultieren; tatsächlich führte er zu einer Hungersnot, bei der laut Britannica rund 20 Millionen Menschen starben. (Encyclopedia Britannica) Die Kulturrevolution wiederum, offiziell als revolutionäre Erneuerung verkauft, brachte politische, soziale und wirtschaftliche Verwüstung über China. (Encyclopedia Britannica)

Das ist die eigentliche Un-Kultur des Kommunismus: Er zerstört nicht nur Märkte, Eigentum und Institutionen. Er zerstört Maßstäbe. Plötzlich gilt Härte als Idealismus, Unterdrückung als Fortschritt, Einschüchterung als Erziehung, Mord als historische Notwendigkeit. Aus Kultur wird Kult. Aus Moral wird Parteilinie. Aus Wahrheit wird Propaganda.

Und dann steht irgendwann ein junger Mensch vor dem Spiegel, zieht sich ein Che-Shirt über und hält sich für rebellisch. Dabei trägt er nicht den Aufstand gegen Macht, sondern das Werbeplakat einer Macht, die ihre Gegner an die Wand stellte.

Vielleicht wäre das die ehrlichere Mode:

  • kein Che-Konterfei, sondern eine Warteschlange.
  • Kein heroischer Blick in die Ferne, sondern eine Gefängnistür.
  • Kein roter Stern, sondern ein Name eines Erschossenen.
  • Keine Salsa-tanzenden Menschen, welche Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit feiern, sondern das Bild einer totalitären, raffgierigen Schweinekaste à la George Orwell.

Alles das wäre weniger schick. Aber wahrhaftiger!

Anm. d. Red.: Zur Fortsetzung unsere Dossiers über Aline Fernandez und den real-existierenden Sozialismus auf Kuba: WAS KUBA MIT UNS ZU TUN HAT👈 ... ... ... und hier geht es zum Anfang des gesamten Dossiers: FIDEL CASTROS TOCHTER: WARUM DER KOMMUNISMUS IN DER PRAXIS NICHT FUNKTIONIEREN KANN👈