Die bittere Wahrheit: wir sind auf dem Weg in die Armut!

Ein Beitrag von Ulrich Schild von Spannenberg
Inflation wird gerne als unvermeidbares Phänomen dargestellt – als natürlicher Bestandteil wirtschaftlicher Entwicklung. Doch die Wahrheit ist: Inflation ist in weiten Teilen ein menschengemachtes, politisch gewolltes Instrument. Ihr Ursprung liegt in einem entscheidenden historischen Moment: der Abschaffung des Goldstandards im Jahr 1971 durch US-Präsident Richard Nixon.
Der Systembruch von 1971 war der Beginn der grenzenlosen Geldschöpfung. Vor 1971 war der US-Dollar, und damit viele andere Währungen, an Gold gebunden. Diese Bindung zwang die Staaten zu einer gewissen Haushaltsdisziplin. Mit der einseitigen Aufkündigung des Goldstandards begann die Ära des sogenannten Fiat-Geldes: Geld, das keinen inneren Wert mehr besitzt und dessen Menge durch politische Entscheidung beliebig ausgeweitet werden kann. Seitdem kann Geld beliebig vermehrt werden – ohne realwirtschaftliche Deckung. Die Folge: ein stetiger Kaufkraftverlust. Was einst Sicherheit versprach – das Sparbuch oder Tagesgeldkonto – wurde zur Falle der schleichenden Enteignung. (siehe hier)
Der soziale Abstieg der Mittelschicht ist unübersehbar. Ein Blick zurück in die 1960er und 1970er-Jahre zeigt, wie stark sich die ökonomische Realität verändert hat. Ein Facharbeiter – etwa ein Schlosser oder Elektriker – konnte mit einem durchschnittlichen Lohn nicht nur eine vierköpfige Familie ernähren, sondern auch ein Eigenheim bauen, ein Auto kaufen, jährlich in den Urlaub fahren und Rücklagen bilden. Ein Einkommen reichte aus. Heute ist diese Lebensrealität für große Teile der Bevölkerung unerreichbar geworden. Trotz technologischem Fortschritt, gestiegener Produktivität und wachsendem Bruttoinlandsprodukt müssen heute in der Regel zwei Einkommen erwirtschaftet werden, um den Lebensunterhalt zu sichern – und selbst dann wird es knapp. Die sogenannte doppelte Erwerbsfalle hat die klassische Einverdienerfamilie nahezu verdrängt.
Das Märchen vom Hochlohnland gehört zu den größten Täuschungen. Politik und Medien betonen gern, Deutschland sei ein Hochlohnland. Doch diese Behauptung hält einer genauen Prüfung nicht stand. Gemessen an der Produktivität stagnierten die Reallöhne seit den 1990er-Jahren, während gleichzeitig Mieten, Energiepreise, Abgaben und Lebensmittelkosten deutlich gestiegen sind. Das bedeutet konkret: Die Leistung der Arbeitnehmer ist gestiegen, die Bezahlung pro Leistungseinheit ist real gesunken, die Lebenshaltungskosten sind deutlich gestiegen. Die Kaufkraft der Löhne sinkt – trotz „Wachstum“. Ein Hauskauf ist für Normalverdiener heute nahezu unmöglich. Wer kein Erbe erwarten kann, lebt oft dauerhaft zur Miete – bei steigenden Belastungen. Junge Familien verschieben den Kinderwunsch oder verzichten ganz. Viele Menschen leben trotz Vollzeitbeschäftigung von Monat zu Monat, ohne nennenswerte Rücklagen.
Die Realität im Alltag bestätigt dies eindrücklich. Frau Schneider, Rentnerin: Ihr Wocheneinkauf hat sich in fünf Jahren um 50 % verteuert, ihre Rente stieg nur minimal. Familie Yilmaz: Die Heizkosten haben sich fast verdoppelt, das Familieneinkommen bleibt nahezu gleich. Herr Berger: Seine Ersparnisse für das Studium der Tochter wurden durch Inflation halbiert – ohne dass er etwas falsch gemacht hätte. Familie Kramer: Beide Elternteile arbeiten Vollzeit – dennoch reicht es nicht für ein Eigenheim oder regelmäßigen Urlaub. Vor 40 Jahren hätte ein einziges Gehalt genügt.
Inflation wirkt wie eine versteckte Steuer und ist vor allem ein Instrument der Umverteilung. Staaten profitieren doppelt: Erstens sinken die Staatsschulden real, weil die Rückzahlung durch Geldentwertung billiger wird. Zweitens steigen Einkommen, Renten und Sozialleistungen nur moderat, weil sie sich an der offiziellen Inflationsrate orientieren. Unternehmen profitieren ebenfalls, weil sie Preise erhöhen können, ohne die Löhne im gleichen Maß anpassen zu müssen. Die Illusion der offiziellen Inflationsrate verstärkt den Betrug. Das statistische Bundesamt misst die Inflation mit einem dynamischen Warenkorb, dessen Zusammensetzung regelmäßig verändert wird. Steigt der Preis für Butter, wird Margarine berücksichtigt. Teure Markenartikel werden durch Discounterprodukte ersetzt. Steigende Mieten werden in der Statistik verzögert oder nur teilweise abgebildet. So entsteht ein verzerrtes Bild: Während offiziell eine Inflation von rund 2 % pro Jahr ausgewiesen wird, zeigt der reale POS-Warenkorb etwas ganz anderes.
Unsere Preisvergleiche ergeben ein anderes Bild:
- Grundnahrungsmittel wie Butter, Mehl, Zucker oder Toilettenpapier verteuerten sich seit 2015 um 70–120 %.
- Strom stieg um knapp 39 %, Gas verdoppelte sich fast, Heizöl verteuerte sich um 80 %.
- Mieten kletterten bundesweit um fast 50 %, in Berlin sogar um mehr als 120 %.
- Insgesamt verdoppelte sich ein realistischer Warenkorb in zehn Jahren – das entspricht 7-8 % jährlicher Inflation, also drei- bis viermal so viel wie offiziell angegeben.
Die Folgen sind verheerend: Rentner und Geringverdiener tragen die größte Last. Wer sein gesamtes Einkommen für Konsum ausgeben muss, kann sich der Inflation nicht entziehen. Rentner zahlen überproportional viel für Energie, Gesundheit und Lebensmittel. Geringverdiener im Niedriglohnsektor haben Lohnsteigerungen von kaum mehr als 1,5 % jährlich. Renten stiegen im Schnitt um etwa 2 % pro Jahr. Beides liegt weit unter der realen Inflation von 7 - 8 %. Die politische Motivation ist offensichtlich. Die Regierung hat ein starkes Interesse daran, die Inflation offiziell kleinzurechnen. Lohnforderungen werden gedrückt, da sich Gewerkschaften an den offiziellen Zahlen orientieren. Öffentliche Haushalte werden entlastet, weil Pensionen, Sozialleistungen und Beamtengehälter geringer angepasst werden müssen. Staatsschulden verlieren an Gewicht.
Kurz: Der Staat gewinnt, wir Bürger verlieren.
Inflation ist also heute nicht mehr nur ein ökonomisches Randphänomen, sondern ein machtvolles Instrument der Umverteilung – von unten nach oben, von Arbeit zu Besitz, von Privat zu Staat. Die Mittelschicht wird systematisch entreichert. Die Konsequenz ist unausweichlich: eine schleichende, aber vollständige Verarmung breiter Bevölkerungsschichten.
Die begleitende Grafik macht dies sichtbar:
- der reale Warenkorb steigt mit ~7- 8 % jährlich,
- Renten mit 2 %,
- Niedriglöhne mit 1,5 %.

Die Grafik zeigt, wie sich die Kurven auseinanderentwickeln: Während die Lebenshaltungskosten steil ansteigen, verlaufen Renten und Niedriglöhne weit darunter.
Die optische Botschaft ist eindeutig: Wenn diese Entwicklung anhält, wird die breite Bevölkerung in absehbarer Zeit verarmen – nicht durch eigenes Versagen, sondern durch eine politisch gewollte und systematisch verschleierte Umverteilung.

