Ein Beitrag von Chris Barth

Bad Aibling, Glücksbringer-Kongress 2025. Wenn Dr. Michael Spitzbart die Bühne betritt, ist der Saal wach. Der Arzt, Autor und Präventionsmediziner nennt sein Konzept „Essentielle Medizin“ – und erntet an diesem Wochenende den wohl lautesten Applaus. Sein Grundgedanke ist einfach: Körper mit körpereigenen beziehungsweise natürlichen Stoffen versorgen – in der richtigen Dosierung. Vieles, was in der klassischen Versorgung als „zu banal“ gelte, sei in seinen Augen der eigentliche Hebel für Leistungsfähigkeit, Lebensfreude und Resilienz.
Prävention statt Reparatur
Spitzbart verortet sich ausdrücklich in der Vorbeugung: Gesunde gesünder machen, Leistungsfähige leistungsfähiger, Glückliche noch glücklicher. Seine Werkzeuge sind Biochemie und Lebensstil. Zentral sind für ihn die Aminosäuren als Bausteine von Neurotransmittern: Phenylalanin (Vorstufe für Dopamin) und Tryptophan (Vorstufe für Serotonin). Wo Antrieb und Stimmung schwächeln, sieht er häufig keinen Charakterfehler, sondern Substratmangel: „Der Körper kann nur so viel Dopamin oder Serotonin bilden, wie Bausteine vorhanden sind.“ Messen, Defizite gezielt ausgleichen, Effekte prüfen – so sein Dreischritt.
Aus seiner Praxis schildert er die Differenz zwischen „Symptombehandlung“ und „Ursachenarbeit“. Wer nur die Wiederaufnahme von Serotonin pharmakologisch beeinflusse, ändere Signalwege – ohne den Rohstoffmangel zu beheben. Seine Konsequenz: Blutwerte breiter denken, essentielle Stoffe (Aminosäuren, Spurenelemente, Vitamine) im oberen Normbereich anstreben.
„Chef-Hormon“ Serotonin, „Antriebs-Hormon“ Dopamin
Anschaulich wird Spitzbart, wenn er Biochemie alltagsnah macht. Dopamin beschreibt er als inneren Motor – spürbar am Morgen, wenn Ziele „ziehen statt drücken“. Serotonin nennt er das „Chefhormon“: Wer es hoch hat, „denkt in Lösungen“, wer es niedrig hat, „hirnt in Problemen“. Ein praktischer Selbsttest sei der innere Dialog vorm Einschlafen: Überwiegen Dankbarkeit und Abschluss – oder Grübeln und Worst-Case-Schleifen? Für ihn ein Hinweis, wo man ansetzen kann: Tryptophan auffüllen, Schlaf verbessern, Stresshormone senken.
Seine Sprache ist oft bildhaft, bisweilen rough – sie soll vor allem Handlungsenergie wecken. Dass er damit aneckt, nimmt er in Kauf. Er berichtet von Auseinandersetzungen mit Ärztekammern, die er am Ende für sich entschieden habe. Sein Vorwurf an die Zunft: „Studiengläubigkeit statt Mitdenken“.
Natürlich statt patentierbar? Beispiele Blutdruck, Schilddrüse, Stress
Konkreter wird Spitzbart bei kardiologischen Standardmedikationen. Sein Credo: Erst natürliche Wege prüfen. Für Bluthochdruck nennt er die Aminosäure L-Arginin als Option, da sie die Gefäße weiten könne. Bei Schilddrüsen-Unterfunktion rät er aus seiner Perspektive, Jod, Tyrosin und Selen zu messen und Mangelzustände zu beheben, bevor man substituiere. Langzeitstress beschreibt er als „Energiekannibalismus“: Steigt Cortisol dauerhaft, würden anabole Systeme (Dopamin, Serotonin, Testosteron) unterdrückt, gleichzeitig gingen wertvolle Aminosäuren als Brennstoff verloren – der Weg in Erschöpfung, Burnout, Gedächtnisschwäche sei vorgezeichnet. Kontrapunkt: Bewegung – idealerweise koordinativ fordernd – fördere nach seiner Darstellung die Neubildung von Synapsen im Hippocampus, „egal wie alt man ist“.
Spitzbart betont: „Heilung ist immer Selbstheilung“. Medizin könne Rahmenbedingungen verbessern; kurieren werde letztlich der Organismus. Seine Regel: erst messen, dann dosiert auffüllen, Effekte kontrollieren. Und: Eiweiß sei der stille Engpass vieler – gerade bei Männern und Frauen mit hoher Belastung oder nach Schwangerschaften. Wer auffülle, brauche Geduld: Zuerst versorge der Körper Muskeln, Knochen, Immunsystem; messbar steige freies Eiweiß oft erst später.
Reibung mit Leitlinien – Einordnung für Leser
Spitzbart positioniert sich wiederholt gegen etablierte Leitlinien und äußert grundsätzliche Skepsis gegenüber Industrie, Standardtherapien und weiten Teilen der öffentlichen Gesundheitskommunikation. Seine Kritik ist scharf; seine Vorschläge fußen auf eigener Praxiserfahrung, biochemischer Argumentation und dem Primat der Prävention. Für Leser wichtig: Es handelt sich um die Sicht des Referenten. Sie richtet sich an ein erwachsenes, mündiges Publikum und soll Denkanstöße geben. KLARTEXT bildet diese Position ab – ohne damit individuelle Therapieentscheidungen zu ersetzen.
Mentaltraining: Bilder, die handeln lassen
Ein zweiter roter Faden seines Vortrags: Mentale Bilder. Spitzbart beschreibt, wie Sportler in Entspannung „vorwegnehmen, was sie leisten wollen“ – und damit Handlungsbahnen im Nervensystem vorbereiten. Wer abends die Hirnwellen „herunterfährt“ (innere Ruhe, kein Grübelkarussell), könne Ziele ins Unterbewusstsein „einsprechen“ – nicht als Wunsch, sondern als fertiges Bild. Der Alltag übersetze diese Bilder in Entscheidungen. Sein Bild für Leser: „Die Servolenkung des Lebens“ – der Fokus bestimmt die Richtung.
„Glück beginnt hier“ – das Kurzinterview mit KLARTEXT
Im Anschluss fasst Spitzbart seine "Glückskongressformel" knapp:
- Was ist Glück? „Im Augenblick leben. Vergangenheit ist vorbei, der Zukunft mit Zuversicht begegnen – und jetzt glücklich sein.“
- Häufige Fehlannahme zu Glück? „Glück kommt nicht von Auto, Haus, anderer Partner. Glück entsteht hier (zeigt auf den Kopf) – und zwar schnell, wenn man weiß, wie.“
- Gewohnheit für 7 Tage? „Fokus auf das Schöne. Nachrichten dosieren, Negativ-Spiralen kappen. Gesunder Egoismus: zuerst gut für sich sorgen.“
- Grenze zwischen Glück, Erfolg, Unterhaltung? „Ich mache nur, was mir Spaß macht – Bühne, Seminare. In dieser Reihenfolge kommt Glück von selbst.“
- Eine Sache zum Glücklichsein in 72 Stunden? „Eiweiß erhöhen – Bausteine für Tryptophan → Serotonin. Mehr Rohstoff, mehr Resilienz.“
Praxisnah – und (für manche) polarisierend
Weshalb die Resonanz im Saal so stark war, lässt sich nach diesen 90 Minuten erahnen: Spitzbart übersetzt Biochemie in Alltagshebel, verbindet Präventionskultur mit mentaler Klarheit – und spricht in Bildern, die im Kopf bleiben. Dass er dabei Ecken und Kanten zeigt, gehört zum Paket: Er fordert Eigenverantwortung, Messbarkeit und Mut zur Abweichung, wo Standardrezepte nicht tragen.
Wer sich von seinem Ansatz angesprochen fühlt, findet darin einen Kontrapunkt zur Reparaturmedizin: erst messen, dann gezielt auffüllen; Schlaf, Bewegung, Stressregulation priorisieren; mental klare Bilder kultivieren; Fortschritt prüfen. Wer skeptisch ist, nimmt zumindest eine produktive Frage mit: Was, wenn einfache, konsequent umgesetzte Basics den Unterschied machen?
Am Ende bleibt der Klang des Saals: lang anhaltender Applaus, lange Signierstunde – und das Versprechen, dass Gesundheit nicht nur ein Befund ist, sondern eine tägliche Praxis. Genau das macht Spitzbarts „Essentielle Medizin“ für viele so attraktiv: Sie will nicht erklären, warum es schwer ist – sie will zeigen, wo man anfangen kann.**
Anm.d.Red.: Zum Original-Vortragspodcast und seinem KLARTEXT-Glücksinterview hier entlang: Youtube & Rumble