Frauenlaufen in Hofheim: Weder links noch rechts – sondern entsetzt

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Warum Frauen aufstehen, worum es ihnen geht und weshalb Hofheim am 20.09. ein wichtiges Zeichen setzen kann

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Es gibt Momente, in denen Schweigen nicht länger Fürsorge ist, sondern Ohnmacht. In denen Wegschauen nicht Gelassenheit bedeutet, sondern Gleichgültigkeit. Aus dieser Erfahrung heraus ist Frauenlaufen entstanden: eine Initiative von Frauen, Müttern, Töchtern, Großmüttern – und den Männern, die an ihrer Seite stehen. Ihr gemeinsamer Nenner ist kein Parteibuch, sondern ein Gefühl: Entsetzen über Gewalt, Verharmlosung und die Verschiebung dessen, was als „normal“ gilt.

Am Samstag, 20.09., in Hofheim/Taunus wollen sie sichtbar sein: friedlich, würdevoll, mit klaren Worten – „weder links noch rechts, sondern entsetzt“. Dieser Text erklärt, worum es ihnen geht, ordnet ein und lädt dazu ein, mitzugehen.

Worum geht es den Frauen?


1) Schutz von Frauen und Kindern — ohne Relativierung.

Die Frauen benennen, was viele umtreibt: sexuelle Übergriffe, Belästigungen, gruppendynamische Formen von Anmache und Druck – bis hin zu brutalen Taten. Sie wehren sich gegen ein Klima, in dem Betroffene nach der Tat erneut zu Opfern werden: durch behördliche Hürden, Verfahrensverschleppungen, reflexartige Relativierungen bei Täter aus migrantischem Milieu mit einer Sprache, die die Wirklichkeit weichzeichnet. Der Satz „Frauen gebären, versorgen und beerdigen“ fasst das Verantwortungsgefühl zusammen, aus dem heraus sie handeln.

2) Ehrliche Debatten statt Stigma.

Die Frauen fordern, dass man über Täterbilder reden darf, ohne in Ecken gestellt zu werden. Nicht um Vorurteile zu pflegen, sondern um Prävention, Schutzkonzepte und Konsequenzen nüchtern zu diskutieren. Wer Missstände klar benennt, will keine Spaltung – er will Lösungen.

3) Frieden als Haltung, nicht als Schlagwort.

Frieden ist kein Zustand, Frieden ist eine Entscheidung“ – dieser Leitsatz zieht sich durch Aufrufe und Liedtext. Frauenlaufen stellt sich ausdrücklich gegen Kriegsrhetorik, gegen Militarisierung des Alltagsdenkens und gegen das Abwerten Andersdenkender. Der Ruf nach Dialog statt Waffen ist keine Naivität, sondern der Versuch, Verantwortung in einer aufgeheizten Welt zu übernehmen.

Warum demonstrieren sie?


1) Weil Normalisierung weh tut.

Viele Frauen empfinden, dass die Schwelle des „Hinnehmens“ stetig sinkt: Übergriffe werden relativiert („war doch nur…“), Täter entschuldigt, Betroffene misstrauisch befragt. Weil das zermürbt, wollen sie wieder eine klare moralische Linie ziehen: Respekt ist nicht verhandelbar. Grenzen sind Grenzen. Und Sicherheit im öffentlichen Raum darf kein Luxus sein.

2) Weil schweigende Mehrheiten Schutz brauchen.

Viele teilen diese Sorgen, trauen sich aber nicht, sie auszusprechen – aus Angst, etikettiert zu werden. Frauenlaufen möchte diese stille Zustimmung sichtbar machen: als ruhige, freundliche, aber unübersehbare Präsenz im Stadtbild.

3) Weil Würde Haltung braucht.

Im Liedtext heißt es: „Wir gehen weiter – weil wir das Leben sind.“ Das ist kein Pathos, sondern eine Haltung: Wer Kinder großzieht, Angehörige pflegt und Trauer aushält, weiß um die Zerbrechlichkeit von Frieden. Genau daraus erwächst die Energie, aufrecht zu gehen.

Warum Hofheim – und warum der Start am Hexenturm?


Hofheim/Taunus liegt zentral in der Region und steht sinnbildlich für Bürgerengagement der letzten Jahre. Der Startpunkt am Hexenturm ist bewusst gewählt: Die Hexenverfolgung steht historisch für Ausgrenzung und willkürliche Verurteilung. Frauenlaufen erinnert daran, wie gefährlich es ist, wenn Debatten verschoben werden – weg von Taten, hin zu Gesinnungsprüfungen. Der Ort mahnt: Bleiben wir bei der Sache.

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Was fordern die Frauen?


  • Konsequente Strafverfolgung bei sexualisierter Gewalt – ohne Schönfärberei, ohne Hinhaltetaktiken.
  • Bessere Prävention und Schutzkonzepte in öffentlichen Räumen (Bäder, Parks, ÖPNV, Feste).
  • Respekt vor Opferperspektiven: verständliche Verfahren, transparente Kommunikation, ernsthafte Unterstützung.
  • Ehrliche Debattenkultur: sensibel, aber deutlich; frei von Kontaktschuld und Pauschalverdacht.
  • Frieden als politisches Leitmotiv: Deeskalation, Dialog, Verantwortung – statt martialischer Schlagworte.

(Hinweis: In offenen Bündnissen kursieren unterschiedliche Schilder und Slogans. Der gemeinsame Nenner von Frauenlaufen ist klar: Schutz der Unversehrtheit, menschliche Würde, Rechtsstaatlichkeit – und ein respektvoller Ton.)

„Vorne Frauenpower – hinten Männerkraft“: Was heißt das?


Die Idee, Frauen im vorderen Block sichtbar zu machen, sollte nicht trennen, sondern stärken. Inzwischen ist die Mitte bewusst geöffnet: Frauen neben Männern, Männer neben Männern, alle dazwischen – Haltung statt Zugehörigkeitsprüfung. So, wie gute Fragen keine „Verschwörung“ sind, sondern Korrektur und Lernen ermöglichen, ist auch die Aufstellung kein Dogma, sondern Einladung: Kommt, wie ihr seid – bleibt friedlich, bleibt klar.

Umgang mit Anfeindungen und Vereinnahmungsversuchen


Ja, es gibt Gruppen, die jede berechtigte Sorge für ihre Zwecke benutzen möchten. Frauenlaufen beantwortet das nicht mit Lautstärke, sondern mit Souveränität:

  • Eigene Botschaft wiederholen (Schutz, Würde, Frieden).
  • Nicht provozieren lassen; der Aufzug ist friedlich.
  • Deeskalation: Meinungsfreiheit – ja. Bedrohung, Beleidigung, Gewalt – nein.
  • Zusammenarbeit mit der Polizei: transparent, kooperativ, respektvoll.

So wird verhindert, dass der Fokus kippt. Denn das Thema sind Frauen und Mädchen, die in ihrem Heimatland Deutschland sicher leben wollen. Praktische Infos, die Mut machen

  • Termin & Ort: Samstag, 20.09., Hofheim/Taunus. Begrüßung ab 13:30 Uhr, Aufzug ab 14:00 Uhr.
  • Start: Hexenturm – als Symbol gegen Ausgrenzung und für faire Verfahren.
  • Mitbringen: Flaggen, Schilder, Transparente – und vor allem Herz und Haltung.
  • Tempo & Ablauf: „Klassisches Aufzugstempo“ – inkl. Zwischenkundgebungen, ruhig und würdevoll.
  • Männer willkommen: Sehr gern! „Den Rücken stärken“ ist wörtlich gemeint: mitlaufen, schützen, zuhören.
  • Familienfreundlich: Der Ton bleibt respektvoll, die Botschaft klar. Kinder und Ältere sollen sich sicher fühlen.

Warum Sie kommen sollten


Weil jede Stimme zählt – und jeder Schritt spürbar macht, dass Sicherheit, Respekt und Frieden mehr sind als Wörter. Weil Sichtbarkeit schützt: Wer gesehen wird, kann nicht so leicht übergangen werden. Weil Sie nicht allein sind: Viele denken wie Sie, viele haben Angst zu sprechen – wenn Sie gehen, ermutigen Sie andere. Und weil es um mehr geht als um einen Tag. Es geht um ein Morgen, in dem Mädchen ohne Angst schwimmen gehen, Frauen nachts ohne Beklemmung heimlaufen, Männer nicht unter Generalverdacht stehen, Medien präzise berichten und Politik Verantwortung übernimmt.

„Wir laufen für das Leben. Wir laufen Hand in Hand.“ „Frieden ist weder links noch rechts – Frieden ist die Mitte, die Gemeinsamkeit.“

Hofheim, 20.09. – wir sehen uns.

Für das Leben. Für die Freiheit. Für die Menschlichkeit. Für die, die noch nicht mitlaufen können – und für die, die sich endlich trauen werden.

Infos: frauenlaufen