Gastbeitrag von Wolfgang K., Rosenheim steht auf

Schon diese Frage wirft eine weitere auf: Wer ist „wir“? Übliche Antworten beziehen sich auf das private Umfeld und lassen sich einfach und schnell beantworten. Ich persönlich habe viele Freunde, national wie international. Ich kann alle aufzählen, auch viele Menschen in Osteuropa, etliche auch in Russland.
Schwierig wird die Situation, wenn das „wir“ auf unseren Staat Deutschland angewendet wird. Haben wir, hat Deutschland die richtigen Freunde?
Denn wer in der Politik unsere Freunde sind, bestimmen wir - das Volk - nicht! Dennoch übernehmen wir für uns wohl mehrheitlich die von der politischen Führungsschicht vorgegebenen Freundschaften. Vorrangig sind das wohl unsere Nachbarländer sowie die USA und GB. Sind das nun persönliche Freundschaften zwischen politischen Spitzenkräften oder sind sie eher im wirtschaftlichen, finanzpolitischen, gesellschaftlichen oder geopolitischen Hintergrund zu suchen?
Interessengemeinschaften, die nur anders, als Freundschaften bezeichnet werden. Oder sind im Fall deutscher Spitzenpolitik noch weitere Möglichkeiten im Spiel. Viele Menschen hört man seit Langem davon reden: Deutschland ist doch kein souveräner Staat, auch Schäuble sprach am 18.11.2011 auf dem Internationalen Bankenkongress in Frankfurt davon. Der frühere US-Präsident Obama erklärte am 5.6.2009 vor US-Soldaten in Ramstein: "Deutschland ist ein besetztes Land und wird es auch bleiben." Dann ist man wohl nur Vasall der USA und bietet seine Dienste an. Der grüne Minister Habeck sprach offen darüber: „Wir Deutsche sind führende Dienerschaft.“
Wer in Deutschland ist sich noch der Strategien der WK 2 Siegermächte zur Auslöschung von Kultur, Geschichtsbewusstsein, Traditionen und Nationalstolz der Deutschen bewusst? Der von den Viermächten erlassene Kontrollratsbefehl Nr. 4 vom 13. Mai 1946 war Grundlage, um die Umerziehung der Deutschen wirksam durchführen zu können. Sie nahm ihren Anfang mit der zunächst für die damalige SBZ (Sowjetisch Besetzte Zone) erstellten und später von den drei westlichen Besatzungszonen übernommenen Liste der auszusondernden Literatur: 35.743 deutschsprachige Buchtitel (darunter auch alle Schulbücher, alle Geschichtsbücher und Sachbücher usw.) als „Träger nationalsozialistischen Gedankenguts“ durch den Alliierten Kontrollrat mit der sich daran anschließenden größten Büchervernichtung der Weltgeschichte. Wem ist bewusst, dass dieses Umerziehungsziel auch heute noch verfolgt wird?
Schon unser erster Bundeskanzler Adenauer wurde in der Nachkriegszeit nicht müde, von unseren amerikanischen Freunden zu sprechen. Waren sie das denn wirklich? Bis heute hält sich der immer mal wieder genutzte Sprachgebrauch „unsere amerikanischen Freunde“. Das muss wohl über die vielen Jahrzehnte gesehen ein Deutungsfehler gewesen sein. Zumal diese „Freundschaft“ einseitig war und ist. Henry Kissinger, einer der großen strategischen Vordenker amerikanischer Politik, sagte einst: „Die USA haben keine Freunde, sondern nur Interessen“.
Wollen wir denn wirklich als Staat mit einem Land befreundet sein, das unzählige ungerechte Kriege, auch gegen das Völkerrecht führte (wie jetzt gegen Venezuela), das in fremden Ländern viele Millionen Menschen tötete? Und zwar mehrheitlich Zivilpersonen? Sind wir nicht, wenn wir diese Kriege als „Freunde“ tolerierten, zu einer Art Komplizen geworden?
Wir erinnern uns sicher noch, als die USA mit ihren willigen Vasallen den Irak überfielen und dabei 1.1 Millionen Menschen töteten? Die deutschen Medien haben aufgeschrien und den Präsidenten Bush jun. einen Tyrannen genannt, einen Menschen, den man wegsperren muss, einen Menschen, den wir wegen Völkermord vor Gericht zerren wollten. Jahrein jahraus hieß es immer wieder: die bösen Amerikaner. Oder etwa nicht? Aber warum denn nicht? Weil es unsere „Freunde“ sind?
Die Antwort ist deutlich diffiziler als hier darstellbar. Dennoch sei hier die Frage aufgeworfen, wo ist der Unterschied zwischen dem Ukrainekrieg von Russland und dem jüngsten USA Überfall auf Venezuela? Lernen wir als Volk denn nie...?
Diese unsere „Freunde“ haben uns wohl eher für ihre Zwecke benutzt (Presse und TV unterstützen sie dabei weiterhin nach Kräften, wohl weil sie zum erheblichen Teil amerikanisch dominiert sind. Dr. Bittner beschreibt in einem Artikel dieser Zeitung mögliche Gründe dieser Dominanz). In der Nachkriegszeit waren wir mögliches Kriegsgebiet und Schutzschild gegen den Warschauer Pakt. Böse Waffen wurden von unseren „Freunden“ auf deutschem Boden stationiert. Von Pershing in den 80er Jahren bis heute zu den neuen Mittelstreckenraketen. Derartige „Freunde“ dürfen so leichtfertig mit dem Leben ihrer Interessensgemeinschaften umgehen.
Was betreiben unsere „Freunde“ aus Übersee denn aktuell? Nun, sie stacheln Europa, speziell angetrieben durch Deutschland, zu Sanktionen gegen Russland auf. Sanktionen, wie wir Europäer sie schon seit Langem gegen die USA wegen der blutigen ungerechten Kriege hätten verhängen sollen. Und jetzt steht Deutschland wieder an der Spitze, bereit zu einem militärischen Einfall in Russland. Von der Leyen sagte ja schon im Jahre 2017: „Die NATO sollte einen Erstschlag gegen Russland nicht ausschließen“. Sollten wir diesem Rat der einflussreichsten Person Europas einfach folgen? Unsere „Freunde“ in Übersee werden uns dieses Mal beim Überfall bestimmt nicht helfen. Die sitzen nämlich in Moskau in den teuersten Hotels und schließen Wirtschaftsverträge mit Russland. Sie habe es wieder einmal geschafft: Europa, speziell Deutschland, steht vor einem wirtschaftlichen, finanziellen und möglicherweise militärischem Desaster und unsere „Freunde“ in den USA sahnen den wirtschaftlichen Profit ab. Sagte nicht Präsident Trump vor vielen Monaten: „Ich will, dass die deutsche Automobilbranche amerikanisch wird?“ Jetzt baut die deutsche Politikführung unsere Automobil-Konzerne auf militärische Produktion gegen Russland um. Heißt das gleichzeitig, dass die zivile Automobilproduktion bei uns langsam Richtung USA verschwindet? So als Austausch. Militärindustrie im Austausch gegen PKW-Produktion? Porsche macht gerade den Anfang. Wer bitte ist der nächste?
Sobald die bilaterale Brücke USA – Russland wirtschaftlich aufgebaut ist, sind wir in Deutschland militärisch hochgerüstet. Aber gegen wen? Die USA werden dann (aufgrund „ihrer neuen Freunde“) den Krieg gegen Russland zu verhindern wissen. Dann brauchen wir auch keine Rüstungsmaterialien mehr und die Fabriken stehen still. Gott sei Dank. Aber die Automobilindustrie könnte bis dahin auch abgewandert sein. Eine strategische Taktik, die doch so einfach zu durchblicken wäre, hätten wir doch mehr Misstrauen gegen unsere „Freunde“ in Übersee entwickelt.
Bitte, liebe Leser, reden wir nie wieder (zumindest auf absehbare Zeit) von unseren amerikanischen Freunden, auch nicht von Verbündeten. Sie sind es nämlich nicht!
Anm.d.Red.: Einen weiterführenden Artikel zur Thema USA/Russland/Deutschland von Peter Hasienko durften wir online veröffentlichten: link