Ein Gastbeitrag von Dr. Bernd Fleischmann

Wie real sind die Rekordtemperaturen des Sommers 2026?
In West- und Mitteleuropa war es Ende Juni 2026 außergewöhnlich heiß, verursacht durch eine stabile Omega-Wetterlage in Verbindung mit einem Hitzedom. Dadurch strömte heiße Luft aus Nordafrika nach Europa, die beim Absinken adiabatisch aufgeheizt wurde. Ganz ähnlich verliefen die Hitzewellen 1947, 1976 und 2003. Wie heiß war es wirklich?
Die Messstationen, an denen Rekordtemperaturen gemessen werden, sind in Deutschland grundsätzlich problematisch. Der 2019 in Lingen aufgestellte Temperaturrekord von 42,6 °C, der von einigen Wetterportalen sofort als falsch erkannt wurde, weil die Station den Vorgaben der Weltwetterorganisation WMO nicht entsprach, wurde vom Deutschen Wetterdienst (DWD) erst eineinhalb Jahre später „kassiert“. Die danach geltenden Rekorde von 41,2 °C, aufgestellt in Duisburg-Baerl und Tönisvorst, wurden an Messstationen gemessen, die bestenfalls der WMO-Kategorie 3 entsprechen – Kategorie 1 ist die beste. Wegen Hitzestaus kommt es dort zu überhöhten Temperaturen.
Seit dem 27. Juni 2026 wird Möckern-Drewitz mit 41,8 °C als neuer Rekordhalter geführt. Auch diese Messstation – und damit der Rekordwert – ist problematisch, denn die Wetterhütte, in der die Temperatur gemessen wird, ist weniger als 30 Meter von Gebäuden auf der Nord- und Südseite sowie von Bäumen auf der Westseite entfernt, was zu einem Hitzestau führen kann. Das genügt nur der WMO-Kategorie 3. Die Temperaturerhöhung gegenüber einer Station auf freiem Feld kann bis zu 1 °C betragen.
Ein Indiz für einen Messfehler ist der Unterschied zwischen den über zehn Minuten gemittelten Temperaturen und den Maximalwerten am Nachmittag des 27. Juni (Climate Explorer).
Der Unterschied zwischen dem 10-Minuten-Wert und dem um 1,1 °C höheren Maximalwert um 14:40 Uhr deutet darauf hin, dass eine heiße Bö, möglicherweise von einem der Dächer, einen kurzfristigen Temperaturanstieg bewirkte, der vom elektronischen Thermometer erfasst wurde. Es könnte aber auch sein, dass die 41,8 °C ein Phantasiewert sind, denn genau für die Zeit von 14:37 bis 14:45 Uhr UTC gibt es eine „Meldelücke“, wie der Spiegel berichtete: „Nachdem die Meldelücke gefüllt wurde, habe sich der vorläufige Wert für die Maximaltemperatur von 41,5 auf 41,8 Grad erhöht.“
Der Unterschied zwischen den Maximalwerten und den 10-Minuten-Werten in den anderen Zeitintervallen betrug lediglich 0,2 bis 0,6 °C.
Der Bericht 106 der Weltwetterorganisation WMO „Instruments and Observing Methods“ und der Bericht 253 des Deutschen Wetterdienstes „Parallelmessungen an deutschen Klimareferenzstationen“ beschreiben die Problematik: An heißen Tagen zeigen die neuen elektronischen Thermometer in den belüfteten Wetterhütten aus Kunststoff höhere Temperaturen an als die früher verwendeten Quecksilberthermometer in englischen Wetterhütten aus Holz. Diese hatten eine wesentlich höhere Trägheit von einigen Minuten, also im Bereich der 10-Minuten-Werte.
Ab 2003 wurden die heute üblichen elektronischen Thermometer in den kleinen Wetterhütten eingesetzt. Sie registrieren Temperaturspitzen, die nur wenige Sekunden dauern. Weil die neuen Messstationen aus der Ferne automatisch abgelesen werden können, konnten viele zusätzliche Stationen installiert werden, so wie 2003 in Möckern-Drewitz, denn der laufende Betriebsaufwand ist gering.
Zusammengefasst bedeutet das, dass wir heute Maximaltemperaturen messen, die wegen der neuen Messtechnik höher ausfallen können – an Stationen, die teilweise zusätzlich unter einem Hitzestau leiden und die es während früherer Hitzewellen noch nicht gab.
Wie ungewöhnlich waren Dürre und Wasserknappheit?
Satellitendaten zeigen, dass global und insbesondere in Europa in den vergangenen vier Jahrzehnten die Bewölkung abnahm und die Sonnenscheindauer zunahm – in Europa um zehn Prozent (Copernicus). Dadurch wurde es wärmer und die Niederschläge nahmen ab.
Die Ursache dafür liegt vor allem in Maßnahmen zur Luftreinhaltung, beispielsweise in der Großfeuerungsanlagenverordnung von 1983. Diese hatten einen Rückgang der Aerosole, etwa Schwefeldioxid, global um die Hälfte und in Europa um 95 Prozent zur Folge. Aerosole sind Kondensationskeime für Wasserdampf. Gibt es weniger davon, entstehen weniger Wolken, es fällt weniger Regen und die Temperaturen steigen.
Die Dürre in Teilen Europas war in diesem Sommer außergewöhnlich, aber nicht einmalig oder einzigartig. Die schlimmste Dürre in Mitteleuropa ereignete sich 1540 – ein Jahr praktisch ohne Regen. Elf Monate lang fiel so gut wie kein Niederschlag.
Zeitreihen des Deutschen Wetterdienstes zeigen, dass 2003 – daran können sich die meisten erinnern – im Frühjahr und Sommer, also von März bis August, ebenso wenig Niederschlag fiel wie in diesem Jahr (DWD-Zeitreihen).
Die 20 Jahre um 1893 waren insgesamt trockener als die vergangenen 20 Jahre. 1893 ist in Mitteleuropa als extremes Dürrejahr bekannt und gilt neben 1947 als eines der schlimmsten Jahre für die Landwirtschaft in den vergangenen 150 Jahren. 1947 gab es durch die monatelange Dürre Ernteausfälle von teilweise 50 Prozent bei Kartoffeln und Getreide.
Dürre ist immer relativ. Der Helmholtz-Dürremonitor verwendet die Referenzperiode 1951 bis 2015. Das ist kein sinnvoller Zeitraum, um zukünftig anzuzeigen, ob ein Jahr relativ trocken ist. Die Weltwetterorganisation verwendet immer 30-jährige Zeiträume, um das aktuelle Klima – das ja ein statistisches Mittel ist – abzubilden.
Das ergibt mehr Sinn als die 65 Jahre, die das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) verwendet, von denen die ersten 50 außergewöhnlich feucht waren, auch wegen der hohen Aerosolkonzentration.
Als ein Zeichen von Wasserknappheit gilt der Pegelstand der Flüsse. Weil sich Flüsse im Laufe der Zeit in ihr Flussbett eingraben, ist jedoch der Durchflusswert, also das Wasservolumen pro Sekunde, das relevante Maß.
Für die drei größten Flüsse Deutschlands – Rhein, Donau und Elbe – wurde an manchen Stellen ein neuer Niedrigstwert verzeichnet, aber längst nicht überall. Zudem sind die meisten Werte für 2026 noch vorläufig. Genaue Aufzeichnungen der Durchflusswerte gibt es seit etwa 150 Jahren.
Die fünf Jahre mit den niedrigsten Wassermengen lagen fast alle mehr als 60 Jahre zurück. Es gibt also keinen Trend zu verstärkten Niedrigwassern. 2026 ist ein Ausreißer. Der „Weltklimarat“ IPCC erwartet jedenfalls für Mitteleuropa keine Zunahme meteorologischer Dürren (IPCC AR6).
Was sind die Ursachen für Waldbrände? Nehmen sie zu oder ab?
„Buchenwälder brennen nicht“, sagen Förster. Gepflegte Mischwälder sind ähnlich wenig feueranfällig. Kiefern- und Fichtenmonokulturen mit viel Unterholz, wie die Seekiefernwälder in Frankreich oder Eukalyptuswälder in Australien, Kalifornien, Spanien und Portugal, brennen dagegen wie Zunder. Eukalyptus ist pyrophil, also feuerliebend, und trocknet den Boden aus. Auf der Iberischen Halbinsel wurde Eukalyptus erstmals vor etwa 150 Jahren angepflanzt und in den vergangenen 50 Jahren wegen seiner Schnellwüchsigkeit verstärkt als Rohstoff für die Papierindustrie genutzt.
Die hochbrennbaren Öle des Eukalyptusbaums verstärken Waldbrände. Da Eukalyptussamen ein Feuer meist überstehen und schneller austreiben als andere Bäume, werden diese sukzessive verdrängt. Es entsteht ein Teufelskreis.
Friedrich Merz sagte angesichts des Brandes im Hürtgenwald: „Wir müssen damit rechnen, dass die Zahl häufiger wird, zahlreicher. Dass wir häufiger solche Ereignisse haben. Das ist Klimawandel. Und ich will allen Leugnern des Klimawandels sagen: Schauen Sie sich das genau an, was hier passiert ist. Das ist der Klimawandel.“
Hat er Rhetorikunterricht bei Annalena Baerbock genommen? Warum widerspricht er dem IPCC, das keine Zunahme an Dürren in Deutschland erwartet? Lenkt er davon ab, dass die Bundesregierungen und die nordrhein-westfälischen Landesregierungen zu wenig unternommen haben, um Phosphorgranaten aus dem Zweiten Weltkrieg zu entschärfen, die sich von selbst entzünden können, wenn durch Korrosion Sauerstoff an den Phosphor gelangt (Bild)?
Dagegen könnte man etwas tun. Bequemer ist es natürlich, das und die eigene Untätigkeit zu verschweigen und stattdessen Autofahrern und Besitzern von Gasheizungen Angst zu machen, damit sie Steuererhöhungen – die an den Waldbränden nichts ändern – ohne Widerspruch akzeptieren.
Da „der Klimawandel“, so wie ihn Merz versteht, globale Auswirkungen hat, müssten nach seiner Logik Wald- und Buschbrände weltweit zunehmen. Das Gegenteil ist jedoch der Fall, wie die Statistik zeigt. Die Grafik zu den jährlichen globalen Kohlendioxidemissionen durch Wildfeuer seit 2003 (Our World in Data) weist jedenfalls einen deutlichen Rückgang auf:

Weil Wildfeuer weniger wurden und Kohlendioxid Pflanzen aufgrund kleinerer Blattöffnungen ("Stomata"), durch die weniger Wasser verdunstet, dürreresistenter macht, ist die Welt – und insbesondere trockene Gebiete wie der Sahel und Indien – grüner geworden (CSIRO).
Welchen Anteil haben Windparks an der Zunahme von Temperatur und Trockenheit?
Windparks reduzieren die Windgeschwindigkeit. Die Turbulenzen auf der Leeseite verringern die nächtliche Abkühlung des Bodens, erhöhen also die Temperatur und reduzieren die Bodenfeuchte.
Die Änderungen weisen laut einer Studie des Helmholtz-Zentrums Hereon „ähnliche Größenordnungen auf wie die vermuteten mittleren Änderungen aufgrund des Klimawandels“ (Hereon).
In sechs Kilometern Entfernung von Möckern-Drewitz befinden sich zwei Windparks. Es könnte sein, dass sie einen Einfluss auf die Rekordtemperatur hatten. Bäume sind natürliche Klimaanlagen – durch den Schatten, den sie spenden, und durch die Wasserverdunstung ihrer Blätter. Die für die Verdunstung erforderliche Energie wird der Umgebungsluft entzogen. Bei einem großen Laubbaum kann diese Kühlleistung 20 bis 30 Kilowatt betragen, also so viel wie bei zehn Klimaanlagen.
„Laut der Studie kühlen baumbestandene Flächen zwei- bis viermal effektiver als reine Rasenflächen. Der gemessene Temperaturunterschied beträgt dabei bis zu 12 Grad Celsius.“ (BUND Mecklenburg-Vorpommern)
Das Schlechteste für das Klima ist demzufolge das, was die Regierungen machen und weiter ausbauen wollen: das Fällen von Wäldern für Windräder und das Überdachen von Agrarflächen mit Photovoltaikanlagen.
Viele weitere Probleme durch Windkraft- und PV-Anlagen werden hier beschrieben: „Risiken und Probleme von PV- und Windkraftanlagen“