„ICH BIN KEIN VERSCHWÖRUNGSTHEORETIKER, ABER…“

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Ein Beitrag von Dirk Hüther

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Kennen Sie das? Da leitet jemand eine Bemerkung oder eine Äußerung mit den Worten ein: „Ich bin ja kein Verschwörungstheoretiker, aber…“? Oder es gibt den Satz auch in der Form „Ich bin ja kein Rechter...“. Mitunter auch in der Form, dass statt „Rechter“ gleich „Nazi“ verwendet wird. Sie können das Wort am Ende des Halbsatzes auch gegen alles Mögliche andere austauschen: Coronaleugner, Putin-Versteher etc. Und? Sagen Sie den Satz selbst auch gerne? Genau dieser Satz ist ein ziemliches Problem, und ich sage Ihnen jetzt, warum.

Rechtfertigungen machen es meistens schlimmer


Wir beginnen damit, dass generell Rechtfertigungen ein Problem sind und den Rechtfertiger meist schlecht aussehen lassen. Lassen Sie einfach das Rechtfertigen. Rechtfertigungen sind ohnehin gar nicht für die anderen, sondern für einen selbst. Wer sich rechtfertigt, verstärkt das, was er vermeiden will. Mit einer Rechtfertigung werfen Sie das Scheinwerferlicht genau auf das, was Sie durch die Rechtfertigung ausschließen wollen.

Lassen Sie das „aber“. Wenn Sie „aber“ sagen, war alles, was Sie vor dem „aber“ gesagt haben, eine glatte Lüge. „Ich will Ihnen ja keine Vorwürfe machen, ABER wieso kommen Sie so spät?“ Das ist ein massiver Vorwurf, und der Halbsatz am Anfang macht ihn nicht besser. Im Gegenteil, das „aber“ entlarvt den einleitenden Halbsatz als glatte Lüge. Wer sagt „Ich bin ja kein Verschwörungstheoretiker, aber...“, entlarvt halt eben den einleitenden Satz als Lüge. Und was bleibt hängen?

Das Gehirn kennt keine Verneinung


Das Gehirn kennt kein „nicht“, „kein“ oder andere Verneinungen. Unser Hirn arbeitet in Bildern. Jetzt machen Sie mal ein Bild von „nicht“ oder „kein“. Sie kennen das Spielchen von „Denken Sie jetzt in den nächsten 15 Sekunden auf keinen Fall an einen rosa Elefanten“. Schwupps, schon haben Sie das Ding im Kopf. Wer sich für clever hält, denkt dann an einen blauen Elefanten. Aber er denkt an einen Elefanten.

Im Alltag können Sie das häufig beobachten, dass Empfänger von Botschaften ein gesprochenes „nicht“ oder „kein“ sogar gänzlich überhören. Wenn Sie zu jemandem sagen „Ich bin kein Verschwörungstheoretiker“ — oder welches Wort Sie an dieser Stelle verwenden wollen —, entsteht bei Ihrem Gegenüber genau das Bild von dem, was Sie ja nicht wollen. Denken Sie dran: Das Gehirn kann keine Verneinung, weil es für Verneinungen kein Bild gibt. Sie müssen dazu zu einer Hilfskonstruktion greifen und in Gedanken einen großen Strich durch das Bild machen. Und was haben Sie dann? Eben — das Bild von dem im Kopf, was Sie nicht haben wollen. Also lassen Sie das mit der vorausgeschickten Relativierung. Sie bringt das Gegenteil von dem, was Sie gerne hätten.

Wer die Begriffe übernimmt, übernimmt das Framing


Und wie so oft kommt das Beste zum Schluss, und das ist gleichzeitig das Tragischste daran: Wenn Sie sagen „Ich bin ja kein Verschwörungstheoretiker ...“ oder „Ich bin ja kein Rechter...“, haben Sie das Narrativ und vor allem das Framing der anderen Seite vollends geschluckt und akzeptiert. Wer sagt „Ich bin ja kein Verschwörungstheoretiker, aber...“, benutzt das Wort „Verschwörungstheoretiker“ — ein Kunstwort, erfunden und verbreitet von der CIA, um im Zuge des Mordes an John F. Kennedy die Kritiker mundtot zu machen oder öffentlich zu diskreditieren.

Seit der Zeit wird dieses Wort von Mainstream, Establishment oder einfach nur den Wegbereitern des herrschenden Systems als Framing genutzt, egal ob das Thema 9/11, die Mondlandung, das Corona-Narrativ oder der Pädo-Sumpf ist. Solange Sie diese Worte in dem Kontext benutzen, sagen Sie zu sich selbst und allen, die es hören: „Ja, ich habe das Narrativ von den Rechten, den Verschwörungstheoretikern etc. vollends geschluckt und akzeptiert, und jetzt wehre ich mich dagegen, dass es auf mich angewendet wird.“ Ist das nicht albern?

Lernen Sie, selbstbewusst mit solchen Begriffen umzugehen und sie liebevoll zu umarmen. Das hilft Ihnen selbst am meisten und ärgert die, die Ihnen solche Worte an den Kopf werfen, am meisten. Wir sind keine Verschwörungstheoretiker, sondern Verschwörungssachverständige. Wir sind keine Schwurbler, sondern Edelschwurbler. Wenn Sie Ihr Gegenüber im Fall von „Rechten“ oder „Nazi“ maximal verwirren wollen, hilft ein „Ich bin ein linksoffener, rechter Verschwörungskritiker“.

Ach ja, einen habe ich noch: „Alter, weißer Mann“ heißt ab jetzt für uns alle: „Längergelebthabender einer ethnischen Minderheit“.

Bestehen Sie darauf und schauen Sie dem anderen ins Gesicht. Ein Genuss!