Politologen diskutierten bei Evangelischer Akademie über Klimakonferenz in Belem
Ein Gastbeitrag von Dr. Christian Steidl

Bei der Evangelischen Akademie Frankfurt diskutierten die Politologen (von links) Max Erik Schulze-Steinen
(Wuppertal Institut), Prof. Dr. Michèle Knodt (TU Darmstadt) und Dr. Stefan Lock (Europäische Kommission) am
20.11.2025 mit der Moderatorin Carla Sappok über die Frage “Wer rettet das Klima?”. (Foto: C. Steidl)
Zu einem Vortragsabend in zum Thema "Wer rettet das Klima? - Die EU zwischen Führungsanspruch und Zielkonflikt" lud die Evangelische Akademie Frankfurt drei Politologen und interessierte Bürger in Ihr Tagungshaus auf dem Römerberg ein. Prof. Dr. Michèle Knodt schlug vor, Eisen statt Kohle zu verbrennen. Max Schulze-Steinen warnte, eine globale Erwärmung der Erde könne zu einer Abkühlung Europas führen.
Zu Begin der Veranstaltung wurde eine PowerPoint-Folie mit Schlagworten zum Thema "Klimaschutz" an die Wand geworfen - eines davon war "Geburtenkontrolle". Diese "Klimaschutzmaßnahme" wurde jedoch im Laufe des Abends nicht angesprochen. Max Erik Schulze-Steinen, Politologe und Researcher "Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik" am Wuppertal Institut stellte die Klimakatastrophennarrative des Weltklimarates vor und vertrat die These, bei einer globalen Erwärmung der Erde um 1,5 °C schwäche sich der Golfstroms um 11 % ab; bei einer weltweiten Erwärmung um 2 °C schwäche sich der Golfstrom sogar um 34 % ab und dies könne zu einer Abkühlung in Europa führen. Wie er darauf kommt, sagte er nicht. Es war leider kein Klimawissenschaftler da, der hätte erklären können, dass der Golfstrom mit zunehmender Erwärmung stärker wird.
Die USA nahm nicht an der Klimakonferenz im brasilianischen Belém teil und für die EU habe der Klimaschutz nicht mehr oberste Priorität, so der Eindruck von Max Schulze-Steinen. Dadurch übernehme China die Führungsrolle beim Klimaschutz. Wie der starke Ausbau der Kohleverstromung in China damit vereinbar ist, erläuterte nicht. Der Politik- und Wirtschaftswissenschaftler Dr. Stefan Lock von der Europäische Kommission wandte ein, dass Ursula von der Leyen die Ziele der EU in Belém vorgestellt hat. Bis 2050 wolle die EU klimaneutral werden.
Prof. Dr. Michèle Knodt, Arbeitsbereichsleiterin Vergleichende Analyse politischer Systeme und Integrationsforschung von der Technischen Universität Darmstadt schlug vor, Eisen statt Kohle zu verbrennen, weil dabei kein Kohlendioxid entsteht. Diese Idee macht leider keinen Sinn: 1. Entsteht bei der Verbrennung von Eisenpulver Eisenoxid (Rost), das entsorgt werden müsste. 2. Zur Herstellung von Eisenpulver muss man zuvor Eisenerz mit Koks reduzieren. Dabei entsteht Kohlendioxid. Frau Prof. Knodt hätte sicherlich an der Technischen Universität Darmstadt die Möglichkeit, sich diese Zusammenhänge von einem Chemie-Professor erklären zu lassen.
Wortbeiträge waren nicht zugelassen, aber das Publikum konnte digital und schriftlich auf Zetteln Fragen einreichen. Diese wurden auch fair vorgetragen. Kritische Fragen wurden nicht unterdrückt. So wurde die Frage verlesen, "welchen Einfluss auf die Klimakonferenz in Belém hatte die Kehrtwende von Bill Gates, der Klimawandel bedrohe nicht die Existenz der Menschheit und man solle das Geld besser zur Bekämpfung des Welthungers einsetzen". Max Schulze-Steinen sah keinen signifikanten Einfluss von Bill Gates und meine, dass Klimaschutz auch dem Schutz landwirtschaftlicher Nutzflächen diene. Die Frage, ob "Deutschland für andere Länder ein abschreckendes Beispiel für überzogenen Klimaschutz" sei, fand die Moderatorin Carla Sappok (langjährige ARD-Korrespondentin in Brüssel und Mitglied im Speakers-Pool Team Europe Direct der Europäischen Kommission) sogar berechtigt und gab sie an die Referenten weiter. Dazu vertrat Frau Prof. Knodt die These, der weitere Ausbau von grüner Stromerzeugung führe zu niedrigeren Stromkosten. Bisher führte mehr Grünstrom zu höheren Strompreisen. Warum sie glaubt, bei noch mehr Grünstrom sei das plötzlich umgekehrt, erklärte die Politologin nicht. Den Elektroautotrend habe Deutschland verschlafen, kritisierte sie.