Eine regional-militärische oder eine geopolitisch-wirtschaftliche Bedrohung für westliche Interessen?

Mitunter führt ein Blick auf eine Landkarte zu einem Erkenntnisgewinn, welcher über die Zielfindung eines Navis weit hinaus geht. Betrachtet man eine Karte von Peking im OSTEN bis Athen im WESTEN von Moskau im NORDEN bis Nairobi im SÜDEN erschließt sich ein bemerkenswerter Aspekt:
Die Landroute von Peking nach Westen über Iran, Türkei nach Europa und nördlich Richtung Russische Föderation ist im Sinne der Geometrie nahezu ideal. Die kürzeste Verbindung zweier Punkte ist eine Gerade. Hier dann mit Fortsetzung im 90 Grad Winkel nördlich Richtung Moskau gedacht [siehe Karte] Der erste Teil dieser Verbindung zwischen XI´an (China) und Teheran (Iran) wurde nun in Betrieb genommen Ende Mai 2025.
Welche global-wirtschaftlich-strategische Bedeutung ist damit verbunden? Einige der wesentlichen Aspekte können hier nur in Stichworten benannt werden:
- Die BRICS-Staaten (insbesondere China/Indien/Iran/Russische Föderation [und bald die Türkei?]) als Teil neuen globalen Machtgefüges;
- Die Politik westlicher Handelssanktionen gegen Russland/China pp. und die Resilienz einer Handelsroute über (zu) Land gegen an-/Eingriffe westlicher Seemächte;
- Die Verkürzung und Verbilligung des Warentransportes über die „one belt, one road“ Landverbindung als Konkurrenz zur historischen Vormachtstellung seegestützter Macht;
- Die Gefährdung der Leitwährung des US $ als Mittel der Kontrolle und Steuerung sog. fossiler Energieträger als Machtinstrument durch Oel und Gastransport auf dem Landweg innerhalb befreundeter Staaten;
- Eine ernsthafte Konkurrenz zum IMEC-Korridor der USA und EU, eine Kombination von Land- und Seehandelswegen über israelische Häfen und Logistikzentren in den VAE (Vereinigte Arabische Emirate);
- Nachdem die internationale Atomenergiebehörde IAEA und US-amerikanische Geheimdienste ernsthaft Zweifel an der Geschichte über die iranische Nuklearbewaffnung angemeldet haben, drängt sich der Gedanke förmlich auf, die militärische Aktion gegen Teheran, auch und insbesondere von US-amerikanischer Seite aus, könnte eher ein (verzweifelter) Warnschuss gegen eine Beteiligung Teherans an der neu entstehenden globalen Wirtschaftsordnung gewesen sein, dies auch mit Signalwirkung nach Peking und Moskau.
Zeitlich würde die Militäroperation mit der Eröffnung der Bahnstrecke Xián-Teheran am 25.05.2025 bestens zusammenpassen. Inhaltlich ist ein solcher Zusammenhang geradezu offensichtlich, auch nach den Irritationen internationale Seetransportrouten betreffend durch militärische Aktionen des Jemen, die Diskussion über dir Möglichkeit einer Schließung der Straße von Hormuz durch den Iran sowie die Signale aus Ankara, sich dem Verbund der BRICS-Staaten anschließen zu wollen.
Wohl auch deshalb wurde das Thema einer iranischen Atombombe, welches seit über 20 Jahren immer wieder bemüht wird, 2 Wochen nach der Öffnung der neuen Seidenstraße durch Teheran von der westlichen Welt eskaliert.