Israel und seine »strategischen Partner« auf (imperialistischem) Beutezug

GASTBEITRAG VON KARIN LEUKEFELD
»Krieg der Barbaren« nannten arabische Chronisten den Überfall von Heerscharen aus dem Westen in ihre Heimat am Ende des 11. Jahrhunderts. Unter dem Zeichen des Kreuzes sollte das »Heilige Land« erobert werden, um die Häfen im östlichen Mittelmeerraum und lukrative Handelswege zwischen Ost und West zu kontrollieren. Man wollte Jerusalem von »Ungläubigen« befreien, man wollte sich die Reichtümer einer Region aneignen, die sich aus einer jahrhundertealten Kultur entwickelt hatte, eine Region, die von Heerscharen aus Ost und West immer wieder durchzogen, verwüstet und geplündert worden war. Manche dieser Barbaren unter dem Kreuz wollten sich selbst bereichern, andere kämpften als Abhängige oder als Söldner für Herrscher, die weit vom Schlachtfeld entfernt ihre Befehle gaben.
»Die Barbaren sind zurück« steht über einem Text des 86-jährigen Salman Abu Sitta, der am 17. Oktober 2023 im Internetportal Middle East Monitor veröffentlicht wurde. Anlass war der israelische Angriff auf den Gazastreifen, der einem Angriff palästinensischer Kämpfer am 7. Oktober 2023 gefolgt war. Was Israel als »Verteidigung« deklarierte, wurde zum ersten »live« übertragenen Völkermord des 21. Jahrhunderts. Schon seit Jahrzehnten schaute die Weltöffentlichkeit der Besatzung, Verwüstung und Enteignung des Landes Palästina zu. Seit Gründung des Staates Israel 1948 dehnte Israel sich weiter aus und vernichtete systematisch die Lebensgrundlagen der Menschen, die auf dem Boden lebten und diesen bearbeitet hatten, den Israel nun für sich beanspruchte. Die Bewohner Palästinas wurden verhöhnt und vertrieben, gefangen genommen oder getötet.
Die Bevölkerung aus 247 palästinensischen Städten und Dörfern im südlichen Palästina wurde 1948 von zionistischen Milizen (Haganah) und später von der neu gegründeten israelischen Armee in den Gazastreifen vertrieben. Der kleine Küstenstreifen machte damals 1,3 Prozent des palästinensischen Territoriums aus. Die Menschen flohen vor Angriffen und Massakern aus Bureir, Abu Shusha, Ed Dawayima und anderen Orten, doch auch im Gazastreifen waren sie nicht sicher. Die israelische Besatzungsarmee griff das Gebiet immer wieder zu Land, aus der Luft und vom Meer an.
Einer der Vertriebenen war Salman Abu Sitta, der 1938 im Süden Palästinas geboren worden war. Er war zehn Jahre alt, als die Nakba begann, die Katastrophe. 65 Massaker wurden von jüdischen Milizen und Zionisten verübt, Hunderttausende Palästinenser wurden aus ihrer Heimat vertrieben. Auch Salman Abu Sitta und seine Familie wurden vertrieben, in seiner Heimat wurde der Staat Israel gegründet.
Wann und wie auch immer die Palästinenser versuchten, in ihre Heimat zurückzukehren, um ihre Dörfer, Gärten und ihr Land erneut in Besitz zu nehmen, wurden sie als »Terroristen« gebrandmarkt. Ein Staat war den Palästinensern versprochen worden, dessen Gründung nie vollzogen werden konnte. Stattdessen expandierte die Besatzung, während die Palästinenser in einem Apartheidregime isoliert wurden. Alles, was ihnen zugestanden wurde, war ein Leben als Flüchtling in überfüllten Lagern, ohne Zukunft, rechtlos.
»Die Barbaren sind zurück«
In seinem Text »Die Barbaren sind zurück« erinnerte Abu Sitta an die Geschichte des einstigen Europas. Ende des 12. Jahrhunderts hatte der damalige Papst Urban II. europäische Könige, Prinzen und Fürsten ermahnt, ihre Streitigkeiten zu vergessen und besser ins Heilige Land zu ziehen. »Macht Euch auf den Weg zum Heiligen Grab in Jerusalem, nehmt das Land von den bösartigen Menschen und nehmt es in Euren Besitz«, soll Papst Urban II. gesagt haben. Also machten die Ritter sich auf, um im Zeichen des Kreuzes die Heimat der Muslime zu besetzen. Zehntausende wurden getötet.
Zwar seien die Kreuzritter lange schon wieder abgezogen, doch ihr blutiges Erbe sei unvergessen, so Abu Sitta. In scharfen Worten arbeitete der Autor heraus, wie europäische Politiker sich geradezu überschlagen hätten, um dem zionistischen Israel Waffen, Kampfjets und Kampfschiffe anzubieten. Die westlichen Medien hätten »schwarze Propaganda« verbreitet – Behauptungen ohne Quellenangabe, die angeblich aus den Kreisen des Gegners stammten –, um die Palästinenser zu entmenschlichen, die ihre Heimat verteidigten, schrieb Abu Sitta. Kurz zuvor hatte der israelische Verteidigungsminister Yoav Gallant die Palästinenser als »menschliche Tiere« bezeichnet. Damit, so Abu Sitta, sei es »akzeptabler« geworden, sie abzuschlachten.
Er erinnerte an die koloniale Vergangenheit der Länder, die das Morden Israels nach dem 7. Oktober 2023 rechtfertigten: die Briten, die mehr als 300 Jahre Brutalität gegen die Bevölkerung in ihren ehemaligen Kolonien unter den Teppich kehrten, die die Palästinenser verraten hätten, als sie mit der Balfour-Deklaration 1917 der Errichtung einer »jüdischen Heimstatt« in Palästina durch die zionistische Nationalbewegung zustimmten. Zuvor hatten sie der arabischen Nationalbewegung zugesagt, ihre Unabhängigkeit und die Bildung unabhängiger Staaten zu unterstützen. Frankreich sei für den Tod von Hunderttausenden Algeriern verantwortlich. Er erinnerte an die blutige Kolonialherrschaft der Belgier in Afrika, an die Entwicklung des Apartheidsystems in Südafrika durch die Niederländer. Ein System, dass Israel für die Unterdrückung der Palästinenser übernommen habe. Er erinnerte an Kriege der Vereinigten Staaten von Amerika, mit denen Länder und Territorien der US-Fahne unterworfen werden sollten: Vietnam, Irak, Afghanistan, um nur einige zu nennen.
Sei mutig und geh!
Lang ist die Liste der mutigen Männer und Frauen Palästinas, die vorangingen und gehen, um das Unrecht an ihrem Volk bekannt zu machen und dagegen Widerstand zu leisten. Israel gibt sich nicht zufrieden mit dem Tod bewaffneter Widerstandskämpfer. Im Laufe seiner Geschichte (seit 1948) haben die israelische Armee und israelische Geheimdienste Schriftsteller und Journalisten, Politiker, Ärzte, Geistliche, Künstler, Lehrer und viele andere getötet.
Erinnert sei an Fatma Hassouna. Die Fotografin war 25 Jahre alt, als sie bei einem gezielten Angriff der israelischen Armee am 16. April 2025 im Kreis ihrer Familie getötet wurde. Der Angriff galt dem Haus der Familie Hassouna im Al-Touffah-Viertel in Gaza-Stadt. In wenigen Tagen sollte Fatma heiraten, mit ihr starben ihre fünf Schwestern, eine von ihnen war hochschwanger. Am Tag vor ihrem gewaltsamen Tod hatte sie erfahren, dass der Dokumentarfilm, den die iranische Regisseurin Sepideh Farsi mit ihr über ihre Arbeit gemacht hatte, beim Filmfestival von Cannes gezeigt werden solle. Die Dokumentation trägt den Titel Lege deine Seele in deine Hand und geh und zeigt Gespräche zwischen der Regisseurin und der Fotografin. Die Regisseurin ist außerhalb des Gazastreifens, weil Israel internationalen Journalisten den Zutritt verwehrt. Doch sie begleitet die Fotografin durch eine Videokamera, die sie bei deren Arbeit zeigt und die Aufnahmen zur Regisseurin überträgt.
18 Monate lang hatte Hassouna dem Krieg gegen Gaza ein Gesicht gegeben. Das Gesicht der Menschen, die dort lebten, die flohen, die starben. Hassouna dokumentierte die Verwüstungen der israelischen Angriffe. Man sieht sie inmitten verbrannter, verwüsteter Häuser, die eigene Kamera fest in der Hand. Sie dokumentierte die Flucht der Menschen und die Rückkehr von Hunderttausenden in den Norden, als am 19. Januar 2025 eine Waffenruhe begann. Sie fotografierte Frauen, die trotz aller Schrecken im Hof ihrer Notunterkünfte Brot zubereiteten. Sie zeigte Kinder, die spielten, und Kinder, die trauerten. Sie erhaschte mit der Kamera auch ein junges Paar in einem Moment des Glücks, als sie lächelnd an der Fotografin vorbeigingen. Der junge Mann hatte seinen Arm fest um seine Begleiterin gelegt.
Die Leitung des Filmfestivals von Cannes erklärte, man sei entsetzt und zutiefst traurig angesichts des tragischen Todes der Fotografin und ihrer Familie. Ein Film sei nicht viel angesichts des Grauens, doch man werde den Film zu Ehren und zur Erinnerung von Fatma Hassouna zeigen, die »wie so viele andere dem Krieg zum Opfer gefallen« sei.
Einen sicheren Platz gibt es nicht
Weder die menschlichen Schicksale noch die verheerende humanitäre Situation der Bevölkerung im Gazastreifen interessieren Politiker, Medien oder das Heer der »Experten« in der westlichen Welt, die für die Öffentlichkeit das Geschehen zwischen Israel und den Palästinensern »einordnen«. Der Begriff bedeutet, dass eine Auswahl von Informationen in einen Rahmen eingefügt wird, der redaktionell oder politisch vorgegeben ist. Dem Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) bleibt nichts, als wöchentliche Berichte über das ungebremste Grauen zu veröffentlichen. Im Bericht mit der Nummer 284 über den Gazastreifen heißt es am 1. Mai 2025, das Gesundheitssystem stehe vor dem Kollaps. Die massenhaften Opfer könnten nicht mehr versorgt werden, zumal die »vollständige Blockade« des Küstenstreifens verhindere, dass notwendige Medikamente, Impfstoffe, medizinische Geräte die Kliniken erreichten. Verantwortlich für die anhaltende Abriegelung des Kriegsgebietes seit dem 2. März ist Israel.
Die Abriegelung führe zu Hunger und Unterernährung, Volksküchen müssten schließen, weil sie keine Nahrungsmittel mehr erhielten. Die Hälfte der Bevölkerung seien Kinder, heißt es weiter in dem Bericht. Die Kinder seien zunehmend mit traumatischen Erfahrungen und Gewalt konfrontiert, viele durchlebten ohne Eltern oder Angehörige – die getötet wurden – das Kriegsgeschehen und die massenhafte Vertreibung. Schulen, Kindergärten oder Kinderschutzeinrichtungen seien geschlossen, weil sie zerstört seien, mangels Strom, Wasser und auch mangels Geld für deren Unterhalt nicht betrieben werden könnten.
Die humanitäre Hilfe sei auch gefährdet, weil Rettungssanitäter, Ärzte und Pfleger in Kliniken und während ihrer Einsätze von Israel angegriffen und getötet würden, schreibt OCHA. Seit dem einseitigen Bruch der Waffenruhe durch Israel am 18. März 2025 habe die israelische Armee »Bombenangriffe aus der Luft, am Boden und vom Meer eskaliert und Bodenoffensiven ausgeweitet«. Am 29. April wird die offizielle Zahl der bereits wiederholt Vertriebenen mit 423.000 Personen angegeben: »Einen sicheren Platz für sie gibt es nicht.« Kämpfe zwischen den bewaffneten palästinensischen Gruppen und der israelischen Armee werden laut OCHA vor allem aus dem Norden des Gazastreifens, aus dem Osten von Gaza-Stadt und aus Rafah gemeldet.
Das palästinensische Gesundheitsministerium berichtet Anfang Mai, dass die Zahl der Toten seit Beginn des Krieges gegen Gaza am 7. Oktober 2023 auf mindestens 52.400 gestiegen sei, die Zahl der Verletzten wird mit 118.014 angegeben. Tausende Tote liegen unter Trümmern und können nicht geborgen werden. Allein seit dem erneuten israelischen Angriff am 18. März 2025 wurden 2.308 Menschen getötet und 5.973 verletzt. Das bedeutet, dass täglich im Gazastreifen mehr als 50 Palästinenser getötet werden. Wenn dieser Text veröffentlicht wird, werden die Zahlen gestiegen sein.
Frei und gleich an Würde
Jede und jeder einzelne dieser Toten und Verletzten war und ist mit den gleichen Rechten ausgestattet wie alle Menschen weltweit. Als Neugeborene und Kinder, als Frauen und Männer galten und gelten für sie die Rechte, die in der UN-Charta, der Universellen Erklärung der Menschenrechte und in weiteren UN-Abkommen, in der Genfer Konvention, im Humanitären Internationalen Recht seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 festgeschrieben wurden.
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[Jeder Staat, der Mitglied bei den Vereinten Nationen werden will und wurde, unterschreibt diese Abkommen. Nicht so Israel, das vor den Augen der Welt die Nachkriegsordnung verhöhnt und zerstört, mit der nach zwei Weltkriegen im 20. Jahrhundert weitere Kriege verhindert werden sollten. Vor den Augen der Welt wird das Vorgehen Israels von Regierungen und Medien in der westlichen Welt gerechtfertigt und mit Waffenlieferungen – allen voran von den USA und Deutschland – befeuert. Die EU bezahlt Israel für die Entwicklung von Drohnen, Deutschland kauft Drohnen von Israel und lässt deutsche Drohnenpiloten dort ausbilden. Anfang Mai nahm der Inspekteur der deutschen Luftwaffe, Generalleutnant Gerhartz, in Tel Aviv erste Teile des von Deutschland in Israel bestellten Flugabwehrsystems Arrow 3 in Empfang. Das Raketensystem wird von dem 1953 gegründeten heutigen Rüstungskonzern IAI (Israel Aerospace Industries) in Tel Aviv gefertigt.
Mitte Januar 2025 veröffentlichte das Auswärtige Amt in Berlin eine Presseerklärung anlässlich von 60 Jahren diplomatischer Beziehungen mit Israel. Stolz wurde erwähnt, Deutschland sei ein »strategischer Partner Israels, an Bedeutung nur von den Vereinigten Staaten übertroffen«. Beide Länder [Deutschland und Israel, K. L.] seien »vereint in ihrem Engagement für gemeinsame Werte und ihrer Entschlossenheit, gemeinsam den Herausforderungen der Gegenwart zu begegnen«.
Angesichts der Untersuchungen des Internationalen Strafgerichtshofes über möglichen Völkermord des Staates Israel an der Bevölkerung Palästinas (Südafrika gegen Israel) muss die Frage gestellt werden, welche »gemeinsamen Werte« mit dem Staat Israel das Auswärtige Amt in Berlin meint? Was bedeutet eine »strategische Partnerschaft« mit einem Staat, der gegen seine arabischen Nachbarn Krieg führt, ihr Land besetzt, ihre Lebensgrundlagen zerstört, ihr Wasser stiehlt? Was soll die bundesdeutsche Bevölkerung sich darunter vorstellen, wenn die Bundesregierung sich mit einem solchen Staat »vereint [und] für gemeinsame Werte« engagieren und »den Herausforderungen der Gegenwart« begegnen will? Was bedeutet das, angesichts des fortlaufenden Bruchs des internationalen Rechts und der systematischen Zerstörung ziviler Infrastruktur, angesichts der Ermordung von Frauen und Kindern, von Ärzten und Pflegepersonal, von Journalisten?
Ist Deutschland deswegen und mit steigender Tendenz der zweitgrößte Waffenlieferant für den »strategischen Partner« Israel, damit Israel weitere Kriege in der Region führen und weitere Zehntausende Menschen töten und sich deren Land aneignen kann? Ist es im »strategischen« Interesse der Bundesregierung, wenn die Zukunft des Libanon, Syriens, Iraks, Jemens und Irans eines Tages so aussieht wie die der Palästinenser in Gaza und im Westjordanland? Was bedeutet es für deutsche Politik, wenn der Finanzminister ihres strategischen Partners Israel am Holocaust-Gedenktag (29. April 2025) öffentlich erklärt, Israel werde erst dann aufhören zu kämpfen, »wenn Syrien zerteilt« sei und »Hunderttausende« Palästinenser aus dem Gazastreifen vertrieben seien? Es könne »keine Debatte über die Vernichtung des Feindes geben«, so Finanzminister Bezalel Smotrich. Ist das Ziel für die deutsche Regierung wie auch für ihren »strategischen Partner« in Westasien, einen Krieg bis zum Sieg von »Groß-Israel« zu führen?
Aber Mord bleibt es
Der libanesische Ökonom Ali Kadri spricht über die Verwüstung der Länder Westasiens und der dort lebenden Menschen durch Kapital und Imperialismus an Universitäten in Großbritannien, Singapur und China. In einem Interview mit der Autorin (Januar 2024) sagte Kadri, »in jüngster Zeit« habe man »die zunehmende Aggression des Imperialismus im Süden beobachten« können. Der Süden werde weiter in die Position von Sklavennationen gedrängt, die man ausbeuten könne. Diese Staaten würden zunehmend in »Lager für die Ausbeutung von Ressourcen« verwandelt. »Die Reihe der zerstörten Staaten im Mittleren Osten und in Afrika ist unübersehbar«, so Kadri. Der Krieg gegen Gaza müsse als »Ausweitung der imperialistischen Macht in einer strategischen Region gesehen werden. Die ganze Geschichte der Kolonisierung Palästinas besteht darin, die asiatischen von den afrikanischen Massen zu trennen und die Beute Europa zu überlassen. In einer Reihe von Äußerungen von [Theodor] Herzl und [Vladimir] Jabotinsky wird behauptet, dass der jüdische Staat […] sich immer im Kriegszustand befinden muss, um die Massen zu unterwerfen.« Kadri erinnerte auch an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht und betonte: »Der Kriegsprozess selbst war und bleibt die große Industrie des Kapitals.«
Als Fazit sei auch an Friedrich Engels erinnert, der 1845 in seinem Text über »Die Lage der arbeitenden Klasse in England« die Definition des »Sozialmordes« herausarbeitete.
»Wenn ein Individuum einem anderen eine Körperverletzung zufügt, die den Tod zur Folge hat, nennen wir die Tat Totschlag; wenn der Angreifer im Voraus wusste, dass die Verletzung tödlich sein würde, nennen wir seine Tat Mord. Wenn aber die Gesellschaft Hunderte von Proletariern in eine solche Lage versetzt, dass sie unweigerlich einen zu frühen und unnatürlichen Tod erleiden, der genauso ein Tod durch Gewalt ist wie der durch das Schwert oder die Kugel; wenn sie Tausenden das Lebensnotwendige entzieht, sie in Verhältnisse bringt, in denen sie nicht leben können – sie durch den starken Arm des Gesetzes zwingt, in solchen Verhältnissen zu verbleiben, bis der Tod eintritt, der die unvermeidliche Folge ist –, weiß, dass diese Tausende von Opfern zugrunde gehen müssen, und dennoch zulässt, dass diese Verhältnisse bestehen bleiben, so ist ihre Tat ebenso gewiss ein Mord wie die Tat des einzelnen Menschen; verdeckter, bösartiger Mord, Mord, gegen den sich niemand wehren kann, der nicht als das erscheint, was er ist, weil niemand den Mörder sieht, weil der Tod des Opfers ein natürlicher zu sein scheint, weil das Vergehen mehr ein Unterlassen als ein Tun ist. Aber Mord bleibt es.«
Wir danken dem Nachrichtenmagazin „Hintergrund“ für die Freigabe dieses Artikels zur Zweitveröffentlichung
- Amin Maalouf, Der Heilige Krieg der Barbaren. Die Kreuzzüge aus der Sicht der Araber, Verlag Diederichs, 2. Auflage, 1997, www.humanist.de/kultur/literatur/religion/maalouf.html
- Salman Abu Sitta, 17. Oktober 2023, www.middleeastmonitor.com/20231017-the-barbarians-are-back/
- Propaganda als Kriegswaffe, digital.nls.uk/propaganda/black/index.html
- Yoav Gallant, Pressekonferenz, 9. Oktober 2023, youtu.be/ZbPdR3E4hCk
- english.almayadeen.net/articles/analysis/muzzling-out-palestinian-intellectuals--photojournalists-and
- religionnews.com/2025/04/25/a-loud-death-remembering-gaza-photojournalist-fatima-hassouna/
- Amy Goodman im Gespräch mit Sepidh Farsi, in: Democracy Now, 18. April 2025, youtu.be/tk2mGkl4alc
- www.instagram.com/fatma_hassona2/
- www.festival-cannes.com/en/press/press-releases/tribute-to-fatma-hassona/
- ZDF-Morgenmagazin, 18. Oktober 2023, www.youtube.com/watch?v=pNjzF6T67aQ
- reliefweb.int/report/occupied-palestinian-territory/humanitarian-situation-update-284-gaza-strip
- Universale Erklärung der Menschenrechte, www.un.org/en/about-us/universal-declaration-of-human-rights; in deutscher Sprache: e4k4c4x9.delivery.rocketcdn.me/de/wp-content/uploads/sites/4/2019/12/UDHR-dt.pdf
- dgvn.de/publications/PDFs/Sonstiges/Charta-der-Vereinten-Nationen.pdf
- www.deutschlandfunk.de/luftwaffen-inspekteur-uebernimmt-erste-teile-fuer-arrow-104.html und www.iai.co.il/about/history
- www.auswaertiges-amt.de/de/newsroom/2693774-2693774
- unric.org/de/internationaler-gerichtshof-suedafrika-wirft-israel-voelkermord-vor/
- www.timesofisrael.com/liveblog_entry/smotrich-fighting-wont-end-until-hundreds-of-thousands-of-gazans-leave-syria-partitioned/
- Friedrich Engels, Die Lage der arbeitenden Klasse in England, 1845, de.wikipedia.org/wiki/Die_Lage_der_arbeitenden_Klasse_in_England#/media/Datei:Die_Lage_der_arbeitenden_Klasse_in_England.png
- Theodor Herzl, Der Judenstaat, www.deutschlandfunk.de/theodor-herzl-und-sein-programm-vom-judenstaat-100.html; Vladimir Jabotinsky, The Iron Wall, en.jabotinsky.org/media/9747/the-iron-wall.pdf
- »On Imperialism and the War on Gaza«. Ali Kadri im Interview (2024), worldmarxistreview.org/index.php/wmr/article/view/13