Ein Gastbeitrag von Monika Diez aus Wertheim

Der Gastbeitrag von Dr. Josef Thoma in der Ausgabe 25 – Mai/Juni 2026 hat mich sehr bewegt. Anlass seines Textes war der Anschlag vom 10. April 2026 auf ein israelisches Restaurant in München. Dies nahm Herr Thoma zum Ausgangspunkt, um seine Sicht auf Israel, Gaza, den Libanon und den Iran darzulegen.
Ein vollständiges Bild über Gaza und Israel kann sich vermutlich keiner von uns machen. Die meisten von uns waren weder in Gaza noch in Israel während oder nach den Ereignissen des 7. Oktober 2023. Gerade deshalb halte ich es für wichtig, auch jene Perspektive nicht auszublenden, die im Gastbeitrag aus meiner Sicht zu kurz kam: die Opfer der Terroranschläge der Hamas vom 7. Oktober 2023.
Herr Thoma erwähnte nicht die vielen getöteten, verbrannten, vergewaltigten und als Geiseln verschleppten Israelis in den Kibbuzim und beim nahegelegenen Nova-Festival. In Kfar Aza wurden ganze Familien ermordet. Auch dort kam es nach Berichten zu Vergewaltigungen, Folterungen und Verstümmelungen. Menschen wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt.
Ich selbst war im Mai 2025 in Israel. Dabei habe ich auch Orte besucht, die von den Terroranschlägen schwer getroffen wurden. In mehreren Kibbuzim stehen vor den verbrannten Häusern verschiedenfarbige Flaggen, die an das Schicksal der Bewohner erinnern: Schwarz steht für ermordet, Gelb für entführt. Weitere Kennzeichnungen verweisen darauf, ob Geiseln zurückgekehrt sind oder ob Tote geborgen wurden.
Im Kibbuz Magen konnte nach meiner Wahrnehmung Schlimmeres verhindert werden, weil der Kibbuz auf einem Hügel liegt und angreifende Hamas-Kämpfer früh entdeckt und zurückgedrängt werden konnten.
Besonders erschütternd war für mich der Besuch des Nova Festival Car Graveyard in der Nähe des südisraelischen Moschav Tkuma. Dort stehen nach Angaben vor Ort mehr als tausend zerstörte und ausgebrannte Fahrzeuge, die von den Terroranschlägen der Hamas am 7. Oktober 2023 stammen, vor allem vom Nova-Musikfestival und den Fluchtwegen in der Umgebung. Wer diese Fahrzeuge gesehen hat, bekommt vielleicht eine Ahnung davon, was dort geschehen sein muss.
Auch die Bedrohung Israels aus dem Libanon sollte nicht ausgeblendet werden. Wenn Israel nicht auf Angriffe der Hisbollah reagieren würde, wäre seine Sicherheit massiv gefährdet. Doron Schneider, der in Deutschland aufgewachsen ist und seit rund 40 Jahren in Israel lebt, hat dazu sinngemäß gesagt: Wissen wir eigentlich, was es bedeutet, in einem Land zu leben, das von Feinden umgeben ist? Gib ihnen nur die kleinste Gelegenheit, dann vernichten sie dich. Weiter sagte er: Wissen wir, was es bedeutet, wenn ein Volk ständig um sein Existenzrecht kämpfen muss? Israel müsse der Welt immer wieder beweisen, dass es ein Recht habe, zu leben und zu existieren.
Trotzdem kämpft Israel, steht Israel und blüht Israel. Für mich ist Israel ein besonderes Volk. In der Bibel heißt es in 1. Mose 12: „Ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen, und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“ Für mich haben diese Worte eine große Bedeutung.
Von Freunden aus dem Iran weiß ich zudem, dass Kinder dort in der Schule aufgefordert wurden oder werden, Parolen wie „Tod Amerika! Tod Israel!“ zu rufen. In Schulbüchern sollen Karikaturen von Israelis zu sehen sein, die Palästinenser töten, daneben weinende palästinensische Jungen. Das Mullah-Regime des Iran versucht damit, Israel zu dämonisieren. Für mich ist das besonders schlimm: Kinder politisch zu manipulieren und mit Hass zu erziehen.
Natürlich darf man die Politik einer Regierung kritisieren, auch die israelische. Aber Kritik an Israel sollte nicht dazu führen, dass die Terroranschläge der Hamas, die Bedrohung durch Hisbollah und Iran und das Leid der israelischen Opfer vergessen oder relativiert werden.
Ein vollständiges Bild hat keiner von uns. Umso wichtiger wäre es, in dieser schwierigen Debatte weder das Leid der Palästinenser noch das Leid der Israelis auszublenden.