...mein Rechtsanwalt hat mir geraten, mich für einen Witz zu entschuldigen, den ich kürzlich in der Öffentlichkeit unüberlegt rausgelassen habe.
Ich möchte mich hiermit ausdrücklich für meinen letzten Witz entschuldigen, in dem ich Ihre Handlungen im Zusammenhang mit der aktuellen Krise in Ihrem Land kritisiert habe. Mein satirischer Sketch war geschmacklos. Daher möchte ich dies wie folgt korrigieren:
- Es tut mir leid, dass Sie palästinensische Zivilisten, darunter auch Kinder, vor Militärgerichten verurteilt haben, die nicht den internationalen Standards entsprachen.
- Es tut mir leid, dass Sie weiterhin den Zugang von Menschenrechtsorganisationen, einschließlich des UN-Sonderberichterstatters für Menschenrechte, verweigert haben.
- Es tut mir leid, dass Sie die illegale Blockade des Gazastreifens fortgesetzt haben, wodurch die Bevölkerung kollektiv bestraft und die humanitäre Krise verschärft wurde.
- Es tut mir leid, dass Sie weiterhin Journalisten und andere Kritiker der anhaltenden Besetzung des Westjordanlands, des Gazastreifens und der Golanhöhen angegriffen haben.
- Es tut mir leid, dass Sie 1.800 palästinensische Wohn- und Wirtschaftsgebäude im besetzten Westjordanland, einschließlich Ost-Jerusalem, abgerissen haben, wodurch laut dem UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten 4.600 Menschen vertrieben wurden.
- Es tut mir leid, dass Sie palästinensische Bürger Israels weiterhin in den Bereichen Stadtplanung, Haushaltsmittelzuweisung, Polizei und politische Teilhabe diskriminiert haben.
- Es tut mir leid, dass Sie Palästinensern aus dem Westjordanland und Gaza, die mit palästinensischen Bürgern Israels verheiratet sind, durch die Anwendung des Einreisegesetzes nach Israel weiterhin die Staatsbürgerschaft verweigert haben.
- Es tut mir leid, dass Sie die Errichtung arabischer Schulen oder die Finanzierung des Transports für palästinensische Schüler zu arabischen Schulen in benachbarten Gemeinden verweigert haben, da dies den jüdischen Charakter der Stadt untergraben würde.
- Es tut mir leid, dass Omar Yagi, ein Baby mit einem Herzfehler, in Gaza sterben musste, nachdem Israel der Familie die Einreisegenehmigung für den geplanten Eingriff am 25. Mai verweigert hatte.
- Es tut mir leid, dass die mindestens 849 israelischen Kontrollpunkte und Straßensperren die Bewegungsfreiheit der Palästinenser weiterhin stark einschränken und ihnen den Zugang zu ihren Rechten, einschließlich Gesundheitsversorgung, Bildung und Arbeit, verwehren. Inhaber palästinensischer Ausweiskarten dürfen übrigens weiterhin nicht die für israelische Siedler gebauten Straßen benutzen.
- Es tut mir leid, dass Sie zu Methoden wie Vergewaltigungen, Prügel, Ohrfeigen, schmerzhafter Fesselung, Schlaflosigkeit, Zwangspositionen und Drohungen gegen Familienmitglieder oder gar Gewalt gegen diese zurückgreifen mussten.
Noch ein letztes mal: Es tut mir leid, liebe israelische Regierung. Ich werde Sie nie wieder kritisieren.
Anm. d. Red.: Inspiriert von Sir Stevo Timothy (Irischer Comedian)
Faktencheck (Stand: 22.09.2025)
1) „Palästinensische Zivilisten, darunter Kinder, wurden vor Militärgerichten verurteilt, die nicht internationalen Standards entsprechen.“
Einschätzung: Weitgehend zutreffend (systemische Fair-Trial-Defizite dokumentiert).
Belege: UNICEF und DCI-Palestine berichten über routinemäßige Anklagen von Minderjährigen in israelischen Militärgerichten und wiederkehrende Verfahrensmängel (z. B. fehlender Anwalt in frühen Phasen, lange Untersuchungshaft, Geständnisse nach belastenden Verhören). UN-Sonderverfahren fordern die Auflösung der Militärgerichte im Westjordanland wegen anhaltender Verstoßlagen. (unicef.org)
2) „Israel hat Menschenrechtsorganisationen, inkl. UN-Sonderberichterstatter, den Zugang verweigert.“
Einschätzung: Größtenteils zutreffend.
Belege: Israel wies 2019 den HRW-Direktor Omar Shakir aus; UN-Expertinnen kritisierten dies. 2024 erklärte die amtierende UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese, Israel habe ihr die Einreise symbolisch untersagt; zudem wurden Visa hochrangiger UN-Leute nicht verlängert. Ein UN-Gremium stellt fest, dass ihm seit Jahrzehnten kein Zugang zu den besetzten Gebieten gewährt wird. (Human Rights Watch)
3) „Die israelische Regierung hat die illegale Blockade des Gazastreifens fortgesetzt, was kollektive Bestrafung darstellt.“
Einschätzung: So bewerten es IKRK/UN/NGOs; Israel weist die Rechtsauffassung zurück und beruft sich auf Sicherheit/Seekrieg.
Belege: Amnesty und Gisha sprechen von kollektiver Bestrafung; der IKRK bewertete die Gaza-Abriegelung bereits 2010 als völkerrechtswidrig (Art. 33 IV. Genfer Konvention). Aktuelle NGO-Analysen kritisieren fortgesetzte Zugangsbeschränkungen für Hilfe. Israel bestreitet „Illegalität“. (Amnesty International)
4) „Israel hat Journalisten und andere Kritiker der Besatzung angegriffen.“
Einschätzung: Teilweise zutreffend / hoch umstritten.
Belege: CPJ/RSF dokumentieren außergewöhnlich viele getötete Journalisten seit 10/2023 und sprechen in Einzelfällen von gezieltem Vorgehen; Israel bestreitet absichtliche Angriffe und verweist auf Kampfhandlungen. (Aktuelle Zahlen- und Analysestücke von CPJ/RSF; Medienberichte zusammenfassend.) (Committee to Protect Journalists)
5) „2024/25 wurden 1.800 palästinensische Gebäude im Westjordanland (inkl. Ost-Jerusalem) abgerissen, 4.600 Menschen vertrieben (UN OCHA).“
Einschätzung: Die konkrete Zahl ist veraltet/zu niedrig.
Belege: OCHA meldet für Anfang 2025 insgesamt ~1.800 ab 7.10.2023 zerstörte/konfiszierte Strukturen und >4.600 Vertriebene; andere OCHA-Updates zeigen 2024 allein mehrere hundert Abrisse. Jahres-/Monatswerte schwanken stark; (UNOCHA)
6) „Palästinensische Bürger Israels werden in Planung, Budget, Polizei und politischer Teilhabe diskriminiert.“
Einschätzung: Gut belegt von NGOs/UN; Israel widerspricht den Apartheid-/Systematik-Vorwürfen.
Belege: HRW-Länderberichte 2024/2025 nennen strukturelle Benachteiligungen (u. a. Bau-/Planungsrecht, Ressourcen). (Human Rights Watch)
7) „Palästinensern aus Westjordanland/Gaza wird per Einreisegesetz die Staatsbürgerschaft (Familiennachzug) verwehrt.“
Einschätzung: Zutreffend.
Belege: Das „Citizenship and Entry into Israel Law (Temporary Provision)“ beschränkt den Familiennachzug aus den besetzten Gebieten; 2022 erneut erlassen und kürzlich verlängert. (adalah.org)
8) „Israel verweigert die Errichtung arabischer Schulen bzw. die Finanzierung des Transports dorthin, um den jüdischen Charakter einer Stadt zu wahren.“
Einschätzung: Es gibt Präzedenzfälle. Kein landesweites Verbot, aber dokumentierte Urteile/Begründungen in Einzelfällen (z. B. Karmiel, 2020).
Belege: Adalah und Times of Israel berichten, ein Gericht habe u. a. mit dem „jüdischen Charakter“ der Stadt argumentiert und Transport-Finanzierung abgelehnt. (adalah.org)
9) „Israel ließ Baby Omar Yaghi in Gaza sterben, nachdem eine Einreisegenehmigung für eine OP am 25. Mai verweigert wurde.“
Einschätzung: Tragischer Fall, Verantwortung umstritten.
Belege: Menschenrechtsgruppen (PHRI, Al-Mezan) und Medien bestätigen: Omar Yaghi (8 Monate) starb am 18.06.2020, nachdem eine OP in Sheba (Termin 24./25.05.2020) nicht stattfand, weil kein Ausreise-/Einreise-Permit vorlag. Israelische und internationale Berichte verweisen zugleich auf die damals eingestellte PA-Koordination als zentrale Ursache der nicht erlangten Genehmigung. Fazit: Permit fehlte – Streit darüber, wer ihn hätte erteilen/koordinieren müssen. (phr.org.il)
10) „Mindestens 849 Checkpoints/Sperren beschränken die Bewegungsfreiheit; Palästinenser dürfen Siedlerstraßen nicht nutzen.“
Einschätzung: Zutreffend in der Sache, Zahlen deutlich höher.
Belege: OCHA zählte Anfang 2025 849 dauerhafte/zeitweilige Bewegungshindernisse im Westjordanland. Straßennutzung ist vielfach eingeschränkt; separate Regelungen und Sperrungen treffen Palästinenser nachweislich härter. (UNOCHA)
11) „Israel griff zu Methoden wie Vergewaltigungen, Prügel, Ohrfeigen, schmerzhafter Fesselung, Schlafentzug, Zwangspositionen, Drohungen gegen Familien.“
Einschätzung: Als Vorwürfe vielfach dokumentiert; Israel bestreitet systematischen Einsatz.
Belege: Die israelische NGO PCATI und internationale Netzwerke legten 2024/2025 Berichte zu Folter/Misshandlung vor (u. a. Schlafentzug, Stresspositionen, schmerzhafte Fesselung, Drohungen). Der UN-Ausschuss gegen Folter äußerte bereits 2016 tiefe Sorge über rechtliche Lücken (u. a. „Notstands“-Rechtfertigung). Israel verweist auf ein generelles Verbot, das HCJ-Urteil von 1999 und Einzelfallprüfungen. (stoptorture)