Meinungsvielfalt ist kein Luxus – sie ist Voraussetzung.

Gastbeitrag von Lisa Fitz (Kabarettistin, Autorin, Trägerin Bayer. Verdienstorden)
Ein Rundfunk für alle – nicht nur für die Gesinnungskonformen. Verantwortung statt Haltungspädagogik: Ein Plädoyer für den ÖRR. Kabarettistin und Autorin Lisa Fitz spricht im Interview über ihre Motivation, sich beim Forum konstruktiver Kritik von LeuchtturmARD.de zu engagieren (siehe Pressemitteilung) – und über die Frage, warum unser Rundfunk dringend wieder offener, mutiger und demokratischer werden muss.
Warum haben Sie sich an diesem Forum beteiligt?
Weil ich mir Sorgen mache. Und weil ich mir den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht von innen aushöhlen lassen will – weder durch Parteibuch-Journalismus noch durch ökonomische Feigheit. Ich bin Gründungsmitglied beim „Bund der Rundfunkbeitragszahler e.V.“, weil ich finde, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk zu wichtig ist, um ihn nur den Gremien zu überlassen. Er gehört allen – aber momentan spricht er nicht mehr für alle.
Welche Defizite sehen Sie beim Thema Meinungsvielfalt?
Ich beobachte eine zunehmende Verengung des Meinungskorridors. Bestimmte Positionen kommen gar nicht mehr vor oder werden reflexartig delegitimiert. Das betrifft nicht nur Außenseitermeinungen, sondern oft auch ganz vernünftige, abwägende Stimmen – etwa zu Friedenspolitik, Impfpflicht, Energiefragen oder Migration. Wenn ein Medium aber nur noch die Schattierungen einer Haltung abbildet, statt das ganze Meinungsspektrum, dann verlieren wir Öffentlichkeit im besten Sinn. Und wer sich nicht mehr wiederfindet, wandert ab – zu fragwürdigen Quellen. Genau das erleben wir gerade.
Was vermissen Sie bei unserem ÖRR?
Mut zur Reibung. Eine echte Streitkultur. Und vor allem: journalistische Neugier. Stattdessen sehe ich zu oft Haltungspädagogik. Es fehlt das Vertrauen, dass Bürgerinnen und Bürger sehr wohl mit Widerspruch umgehen können – sogar mit unbequemen Gedanken. Was ich auch vermisse: Selbstkritik. Die Debatte über Fehler, Einseitigkeiten, politische Nähe – sie müsste innerhalb der Sender viel offener geführt werden. Aber da kommt wenig. Und das macht misstrauisch.
Welchen ÖRR der Zukunft wünschen Sie sich?
Einen Rundfunk, der sich als freier Platz für alle versteht. Der keiner Agenda folgt, sondern dem Grundsatz: „Zuerst die Aufklärung, dann das Urteil.“ Ich wünsche mir Journalisten, die Widerspruch nicht fürchten, sondern fördern. Ich wünsche mir mutige Redaktionen, die nicht mit Zensur, sondern mit Transparenz arbeiten. Und ich wünsche mir Intendanten, die sich weniger mit Imagepflege beschäftigen, sondern mit Programmqualität – und mit der Frage: Wer hört uns noch zu? Und warum – oder warum nicht mehr?
Welchen Einfluss hat die mangelnde Meinungsvielfalt auf die europäische Friedensordnung?
Einen gewaltigen. Denn wenn der mediale Diskurs zur Einbahnstraße wird, verengt sich auch der politische Spielraum. Diplomatie lebt von Perspektivwechsel, nicht von Feindbildern. Wer aber nur noch „Putin-Versteher“ ruft, sobald jemand nach Ursachen fragt, der verspielt friedenspolitische Kompetenz. Medien beeinflussen das Denken ganzer Gesellschaften. Wenn sie nur noch Schwarz-Weiß malen, wird auch außenpolitisch nur noch in Drohnen und Sanktionen gedacht. Und das ist brandgefährlich – für Europa, für die Welt, und letztlich auch für unsere Demokratie.
Mit ihren Programmen begeistert Lisa Fitz seit Jahrzehnten ihr Publikum in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der aktuelle Song „DER JOURNALIST“ auf Youtube zu hören. Tourdaten, Fotos, PR Text & News siehe hier.