SARKASTIKUS

von Redaktion — über |

Krieg der K(n)öpfe

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Aktuell leben wir zeitgeschichtlich in einer Periode gleichermaßen hektischer wie begrenzt erfolgreicher Diplomatieausbrüche auf geopolitischer Bühne. Hauptdarsteller sind dabei vornehmlich Aktivisten aus west-europäischen Gefilden. Mit dabei, ganz vorne, Akteure aus Deutschland, Kanzler, Kommissionspräsidenten, Verteidigungs- und Außenminister (nein, nicht mehr die mit dem Trampolin).

Man reist nach Amerika, man fliegt nach China, gerne hätte man auch Alaska besucht oder auch andere Orte, an welchen scheinbar wichtige Personen wichtige Dinge verhandeln, um wichtige Erfolge zu erzielen.

Dumm dabei, wenn man bei diesen Glanzereignissen globaler Bedeutung eher die Rolle eines Statisten oder bestenfalls einer Nebenbesetzung einer Nebenrolle angeboten bekommt. Da warten dann seltsam dürftige Empfangskomitees auf chinesischen Flughäfen. Oder auch mal Wartezimmer in weißen Häusern. Die Gesprächspartner der Reisediplomaten entstammen dann ab und an der dritten oder vierten Reihe des politischen Personals der be- oder heimgesuchten Zielländer. Entsprechend dünnlippig sind dann auch die Berichte diverser zurückgekehrter Emissäre, von welchen so mancher eher ein Gesandter als ein Geschickter ist.

Da wird die USA schon mal belehrt, Äußerungen zu Meinungsfreiheit in Europa wären eine unwillkommene Einmischung in fremde Angelegenheiten. Was natürlich völlig anders ist, wenn deutsche Politiker Haltungsnoten für Präsidentschaftskandidaten in USA vergeben.

Da wird China schon mal belehrt, wie es sein Verhältnis zu Russland zu gestalten habe, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass die Nichtbeachtung der Empfehlung durchaus auch unangenehme Folgen für das östliche Reich nach sich ziehen könnte.

Die solchermaßen überschaubare Erfolgsbilanz der deutschen diplomatischen Reisetätigkeiten scheint Ursache dafür zu sein, dass die globale Umtriebigkeit dann zur Kanzlerchefsache erklärt wird, getreu dem Motto: das macht der Chef jetzt selbst.

Die begrenzte Resonanz in der Welt globalpolitischer Diplomatie erinnerte mich jüngst an einen alten Film, so etwa aus den 60-ern. DER KRIEG DER KNÖPFE, so der Titel dieses sehenswerten und amüsanten Steifen.

Zwei Bubengruppen treffen sich wiederholt in der freien Natur, um in Streitspielen ihre Kräfte zu messen. Der Erfolg der obsiegenden Bande besteht darin, den Unterlegenen die Knöpfe von Hemd und Hose abzuschneiden, als Trophäe. Die so Gedemütigten sehen sich häuslich dann ob dieses Verlustes an „Haltevorrichtungen der Kleidung“ weiterer Erniedrigung oder gar Ärger ausgesetzt. Bis die glorreiche Idee entsteht: wir ziehen splitternackt in die Schlacht. Keine Knöpfe mehr, deren Verlust so schmerzhaft ist.

Gesagt getan, die Bürschlein ziehen in die Schlacht ohne einen einzigen Knopf am Leib und siehe da, sie kehren zurück ohne einen einzigen Knopf verloren zu haben.

Vielleicht nicht gerade ein Erfolg – zumindest aber keine messbare beziehungsweise an der Anzahl der fehlenden Knöpfe zählbare Blamage.

Ob die Macher dieses unterhaltsamen Films im übertragenen Sinne an Politiker dachten, welche auszogen, um im Falle des Scheiterns zumindest ohne zählbaren Misserfolg heimkehren zu können, weiß ich naturgegebener maßen nicht. Es ist auch reiner Zufall, dass mir beim Nachdenken über diesen Sarkastikus-Beitrag zu Wahrnehmungen angesichts europäischer Diplomatenaktivität ausgerechnet und unerwartet dieses Stück Filmgeschichte in Erinnerung kam.