Endlich gute Nachrichten, oder auch nicht?

Ein Beitrag von Stefan Kohwagner, Herausgeber von KLARTEXT Bayern und KLARTEXT Hamburg.
Wie eine lokale Zeitung aus Hamburg jüngst berichtete, habe sich die Sicherheitslage in Hamburg für das Jahr 2025 deutlich verbessert. Die Journalisten und Faktenchecker des Blattes „berichten“, seit 1979 sei Hamburg noch nie so sicher gewesen wie im Jahr 2025.
Noch nie seit 1979 habe es so wenige Straftaten pro Kopf gegeben wie in 2025.
Woher dann aber der Eindruck vieler Bürger der Hansestadt, ihre Stadt sei weniger sicher geworden und werde weiterhin unsicherer? Woher der Eindruck täglicher Schreckensnachrichten über Gewalttaten, Angriffen im öffentlichen Raum und Bedrohungen einfacher Bürger?
Eine Betrachtung der Kriminalstatistiken mit einem auf die reine Statistik beschränkten Blick, ohne die Einzelheiten zu unterscheiden, führt zu solch unsinnigen Zeitungsdarstellungen wie der aus Hamburg, welche so wahr wie gleichzeitig unwahr ist. Und das geht so:
Wahr: Ja, die Gesamtzahl der strafrechtlich relevanten Taten ist gesunken (statistisch).
Aber: Ja, dies liegt ursächlich wohl am Rückgang in dem für das Sicherheitsgefühl der Bürgerschaft „unwichtigen“ Bereich von Delikten wie Umweltstraftaten, und daneben auch an der teilweisen Entkriminalisierung von Drogendelikten durch Teillegalisierung der Droge Canabis.
Aber: Nein, in dem für die Bürger der Stadt sicherheitsrelevanten Bereich von Straftaten und Straftätern wie Tötungs- und schwere Körperverletzungsdelikte, einfache Körperverletzungen, Vergewaltigung und z.B. Autoaufbrüche sind die Straftaten nicht zurückgegangen, sondern geradezu explodiert.
So zeigt die Aufschlüsselung der Delikte nach ihrer Art und Schwere eine gänzlich andere Entwicklung auf.
Von 2021 bis 2024 stieg die Zahl schwerer Körperverletzungstaten in Hamburg um ca. 30%.
(2001 gesamt ca. 3.800 Fälle / 2024 gesamt ca. 5.550)
Von 2021 bis 2024 stieg die Zahl einfacher Körperverletzungen um ca. 45% an.
(2001 gesamt ca. 14.000 Fälle / 2014 gesamt ca. 21.000 Fälle)
Kein Rückgang ist zu erkennen, im Gegenteil!
Sieht man weiter auf die weitere Entwicklung von 2024 auf 2025 zeigt sich eine Beschleunigung dieser besorgniserregenden Entwicklung.
Vom 1. Quartal 2024 zum 1. Quartal 2025 stieg die Quote schwerer Gewalttaten nochmal um ca. 30% an, die Quote einfacher Gewalttaten um ca. 45%. Dieses ist, was bedeutsam ist, ein weiterer Anstieg der von 2001 bis 2024 ohnehin exorbitant gestiegenen Zahlen.
Vom 1. Quartal 2024, bei extrem gestiegenen Gewaltdelikten, zum 1.Quartal 2025 verzeichnet die Statistik eine Zunahme der Gewaltdelikte um nochmal ca. 50%, so das Blatt.
Unter dem Titel „ So sicher ist Hamburg“ wird der Leserschaft schlagwortartig vorgegaukelt, sie lebe, dank der kommunalen Regierungsarbeit, im sichersten Hamburg aller Zeiten, während ihr am Ende des ausführlichen Artikel beiläufig angedeutet wird, dass dabei Straftaten, welche Leib und Leben bedrohen, nicht gemeint seien, da diese bedauerlicher Weise explosionsartig angestiegen sind. Gerade so, als wäre der Anstieg der Gewaltkriminalität ein bedauerlicher Ausreißer. Gerade so, als wäre die Art der Straftaten ohne Bedeutung für das Sicherheitsgefühl und auch tatsächlich die Sicherheit der Menschen, solange nur die Zahl der Straftaten statistisch passt.
Verwundern muss nicht diese Art der Berichterstattung nach bekannter Art der Faktenchecker, sondern mehr noch die Dreistigkeit, mit welcher manche Medien manchmal ihre Leserschaft schlicht für blöde verkaufen wollen.
Da fällt einem ein Kommentar, frei nach einem deutschen Schauspieler, ein:
„Früher war alles gut, heute ist alles besser. Vielleicht wäre es heute besser, wenn wieder alles gut wäre.“
In diesem Sinne viel Spaß bei der Zeitungslektüre - und immer kritisch bleiben, auch bei KLARTEXT, Ihrer Bürgerzeitung. Zum Online-Beitrag: