Ein Gastbeitrag von Susanne Fischer

Welch ein Vorbild: Ein 91-jähriger namens „H. Wohler“ mit Fronterfahrung hat beim Wehrbeauftragten des Bundestages zum Dienst in der Reserve meldet. Als Qualifikation führt er in seiner vorgeblichen Bewerbung an: noch echte Fronterfahrung, das brennende Berlin kennend, Luftschutzkeller-Erfahrungen, korrektes Verhalten bei Kampffliegerbeschuss am Boden liegend, den Umgang mit dem Verlust des Vaters auf dem „Felde der Ehre“, Erfahrung mit Hunger.
Weiter schreibt H. Wohler: „Es hieß seinerzeit: Bloß 6 Pfennige ist ein Menschenleben wert – das war der Preis für die blaue Hitlerkopf-Briefmarke auf der Postkarte mit dem Gestellungsbefehl. Kann mich immer noch erinnern, wie meine Mutter sie mir weinend zeigte.“ Heute kostet ein Menschenleben 0,95 Euro? Oder werden Einberufungsbefehle kostenlos verschickt, im „Sondervermögen“ enthalten?
Seine Gebrechen aufzählend, meldet sich der 91-jährige Leser – offenbar nur noch mit Sarkasmus möglich – zum Reservedienst.
Der Brief an Henning Otte erreichte die „NachDenkSeiten“ als Leserzuschrift. H. Wohler reagierte damit auf die Ankündigung eines in der FAZ abgedruckten Vorschlags, die Altersgrenze für Reservisten von 65 auf 70 Jahre anzuheben.
Ich kann mich den Schlussworten von H. Wohler nur anschließen: „Aber was sich hier im Lande – und nicht allein bloß mit dem Nazisprech „Kriegsertüchtigung“ – wieder alles abspielt, ist entweder mit Humor oder gar nicht mehr zu ertragen.“
Ich möchte aber ergänzen: Ebenso wenig ist der fehlende Aufschrei der Jugend, die offenbar zum Verheizen eingeplant ist – und hier sind alle Geschlechter gemeint –, zu ertragen. Ich hoffe inständig, dass die Jugend bald aufwacht, sich Wort für Wort dieses Leserbriefes auf der Zunge zergehen lässt und an diejenigen, die gar nicht daran denken, selbst auf dem Feld der Ehre zu verrecken, zu verbluten, als stinkende Leiche zurückzubleiben, zu vermodern, … eine reale Absage schreibt.
Im Übrigen haben Menschen wie H. Wohler das Land aufgebaut, das sich ja kaum noch zu verteidigen lohnt.
Anm.d.Red.: Zum Leserbrief und den Kommentaren