Harald Lesch in Friedberg

Ein Gastbeitrag von Dipl.-Chem. Dr. Christian Steidl
Auf Einladung der angeblichen Nichtregierungsorganisation „Teachers for Future“, die vom Programm „Demokratie leben“ des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend unterstützt wird, sprach der Physikprofessor Harald Lesch Ende Februar in der Friedberger Stadthalle über die vermeintlich drohende Klimaapokalypse. Seine Anhänger glucksten vor Freude, als er Menschen, die seine Katastrophenprognosen nicht teilen, als Alkoholiker darstellte.
Prof. Harald Lesch, der seit 1995 Professor für Astrophysik an der Ludwig-Maximilians-Universität München ist, hatte ein Heimspiel. Eine Blitzumfrage zu Beginn der Veranstaltung hatte gezeigt, dass weniger als 1 % Klimakatastrophenskeptiker im Saal waren. 99 Prozent der Besucher gaben in einer Umfrage ihre Meinung kund, wir würden nicht genug für den Klimaschutz tun. Seine Fans waren aus nah und fern angereist, um sich bestätigen zu lassen, dass sie die Guten sind und die anderen die Dummen. Titel der Veranstaltung war „Von natürlichen und sozialen Kipppunkten“. Er sprach aber nur über menschengemachte Kipppunkte. Über mögliche gesellschaftliche Verwerfungen durch einen Klimalockdown, wie ihn die Aktivisten vom Bundesverfassungsgericht ins Spiel gebracht hatten, sprach weder Harald Lesch noch seine Co-Entertainerin Dr. Cecilia Scorza-Lesch.
Wenig Wissenschaft – viel Kabarett
Harald Lesch, der seit 1998 in verschiedenen ZDF-Formaten auftritt, begann seinen Vortrag mit der banalen Feststellung, dass die Natur kein Parteimitglied ist. Die Naturgesetze seien daher nicht verhandelbar und nur im Zuständigkeitsbereich der Wissenschaftler. Und die sei sich einig: „In 40 Jahren wird es 1 Grad wärmer sein.“ Über die Leute, die auf das warme Mittelalter und auf die römische Warmzeit verweisen, machte er sich lustig, indem er die These vom warmen Mittelalter wie ein Betrunkener daherlallte. „Diese Leute kennen wir ja ... und dann wollen sie noch ein Bier und ein Korn.“ Der Saal tobte vor Begeisterung. Überhaupt war er sehr kabarettistisch. Es war ein launiger Abend ohne intellektuellen Tiefgang. Schon auf dem Weg in die Friedberger Stadthalle lief man auf einem blauen Streifen, der in Richtung Tür rot bis hin zu bedrohlich dunkelrot wurde. Das sollte die Klimaentwicklung der letzten 170 Jahre darstellen – also von der „kleinen Eiszeit“ bis heute. Hätten die Veranstalter die Temperaturentwicklung der letzten 2.000 Jahre visualisiert, hätten wir ein abwechselndes Muster von Warm- und Kaltphasen und keine sich zuspitzende Überhitzung gesehen.
„Wir leben im Pyrozän“
In seinem Vortrag präsentierte Harald Lesch ein Worst-Case-Szenario, gemäß dem die Erde um mehr als 4 °C wärmer wird, wodurch es Dürren und Überschwemmungen geben werde, und er prophezeite: „Der Großteil der Erde wird unbewohnbar.“ Schon jetzt würden wir im „Pyrozän“ leben, dem Zeitalter mit „vielen Waldbränden“. Um wie viel Prozent Waldbrände nun angestiegen seien und wie oft Brandstiftungen die Ursache waren, sagte er nicht. Im Frankfurter Palmengarten wird noch ein anderer Grund für große Waldbrände genannt: Aus „ökologischen Gründen“ wird Schwachholz nicht mehr regelmäßig und kontrolliert abgebrannt. Es sammelt sich an und ermöglicht verheerende Brände.
Harald Lesch wiederholte die Narrative aus dem Schulunterricht. „Welche Temperatur hätte die Erde ohne Atmosphäre?“, fragte er. „-18 Grad Celsius“ sollte die richtige Antwort sein – so, wie man mir das vor über 30 Jahren im Erdkundeunterricht erzählt hatte. „Real hat die Welt eine errechnete Durchschnittstemperatur von ca. +15 Grad Celsius“, und für den Unterschied von +33 Grad Celsius sei der Treibhauseffekt verantwortlich. Die Berechnung lässt unberücksichtigt, dass die Erde eine Atmosphäre mit einem Bar Druck hat. Wie wir von der „Allgemeinen Gasgleichung“ wissen, ist die Temperatur eines Gases vom Druck abhängig. Es ist davon auszugehen, dass der Physikprofessor Harald Lesch die Allgemeine Gasgleichung kennt, diese Druckabhängigkeit der Temperatur aber bewusst weglässt, weil sie das Narrativ seiner Auftraggeber zerstören würde.
Um seine Katastrophenthesen zu untermauern, verbreitete er die These, CO2 bleibe 450 bis 1.000 Jahre in der Atmosphäre. Für manche Moleküle mag das zutreffen. Aber viele andere CO2-Moleküle werden vom Regen aus der Luft gewaschen, von Pflanzen als Nahrung aufgenommen oder vom Meerwasser absorbiert. Es gibt da einen ständigen Austausch.
Flutkatastrophen und Hitzetote
Flutkatastrophen im Ahrtal, in Spanien und in Griechenland nutzte er ebenfalls für seine These von der sich zuspitzenden Katastrophe. Mal abgesehen von der ungeklärten Frage, ob Flugzeuge die Wolken animpften, kann jeder wissen, dass es schon immer Jahrhundertfluten gab: Dazu muss man nur an Rhein, Main, Donau oder an einem anderen Fluss spazieren gehen und die Hochwassermarkierungen an historischen Gebäuden betrachten.
„Deutschland erhitzt sich innerhalb Europas am stärksten“, so eine weitere These von Harald Lesch: Um +2,5 Grad Celsius liege die Steigerung, in Hessen zum Glück nur bei +1,6 Grad. Als Vergleichspunkt nimmt er hier vermutlich wieder das Jahr 1850. Hätte er das Jahr 1000 nach Christus für die „Ausgangstemperatur“ genommen, hätte er zugeben müssen, dass sich Deutschland um -0,3 Grad Celsius abgekühlt hat.
„Wenn das Eis auf Grönland schmilzt, steigt der Meeresspiegel um 6 m“, sagte Harald Lesch, und die meisten im Saal machten sich Sorgen um die Menschen in Küstennähe. Was Harald Lesch nicht sagt: „Die Eisdecke auf Grönland war vor 6.000 bis 8.000 Jahren deutlich dünner, und seit einigen Jahren wachsen die Gletscher auf Grönland wieder.“ (eike-klima-energie.eu) Es brechen vom Gletscher zwar immer wieder Stücke ab und stürzen ins Meer. Aber es schneit auch viel, und so bleiben die Gletschermassen seit einigen Jahren wieder im Wachstum. (eike-klima-energie.eu) Der angebliche Meeresspiegelanstieg bewegt sich im Rahmen von Millimetern, und da muss man fragen, wie genau Satellitenmessunggen sind.
„Hitze macht krank“, war eine weitere These von Harald Lesch. So etwas gibt es: Wenn man im Hochsommer ohne Hut durch die Sonne läuft und zu wenig trinkt, kann man einen Hitzeschlag bekommen. Aber wenn man die kalte Jahreszeit mit der warmen Jahreszeit vergleicht, dann ist die Sterberate im Winter höher als im Sommer. Die einen führen es auf Vitamin-D-Mangel zurück, die anderen auf Erkältungsviren. Aber dass Kälte gefährlicher für die Gesundheit ist als Hitze, ist statistisch klar erwiesen. Dennoch werden die Kommunen in Deutschland genötigt, „Hitzeschutzpläne“ auszuarbeiten. In Spanien versteht niemand die deutsche Angst vor der Überhitzung des kalten Deutschlands. Dort ist man heute noch überzeugt, dass es in Deutschland sehr kalt sei.
Das angeblich „starke Klimagas Methan“
Letztendlich sprach Harald Lesch auch über Kipppunkte: Zum Beispiel werde ein Kipppunkt erreicht, wenn Permafrostboden auftaut und Methan entweicht. Das Methan wird ja dämonisiert, weil es angeblich ein „starkes Klimagas“ sei. Verschwiegen wird dabei, dass Methan in der Luft schnell zu CO2 oxidiert wird. Und wenn man die Klimaschwankungen der Erdgeschichte betrachtet, dann hat sich immer erst das Klima erwärmt, und dann stieg der CO2-Gehalt an, weil das CO2 aus dem wärmeren Meerwasser entwich – wie aus der Colaflasche, die man im Sommer draußen stehen lässt. Diese Reihenfolge verschwieg Harald Lesch, als er sagte, dass der CO2-Gehalt in Warmzeiten höher liegt. Dabei dauert es einige hundert Jahre, bis sich nach einer Erderwärmung ein höherer CO2-Gehalt in der Atmosphäre zeigt, weil die Ausgasung aus dem Meer nur an der oberen Wasserschicht erfolgt. Auch bei der Abkühlung dauert es wieder Jahrhunderte, bis das kältere Meerwasser wieder mehr CO2 absorbiert und den CO2-Gehalt in der Luft absenkt. Diesen zeitlichen Ablauf – erst Abkühlung, dann sinkender CO2-Gehalt in der Luft – publizierte der Marburger Mineralogie-Professor Emanuel Kayser bereits 1913 im „Zentralblatt für Mineralogie“ (Seite 769). Der Physikprofessor Harald Lesch kennt diese Publikation mit Sicherheit. Er täuscht seine Zuhörerschaft bewusst. Aber die Zuhörer waren begeistert, als er über die Kritiker der menschengemachten Klimaüberhitzung sagte: „Wer es nicht kapiert, der ist wie ein Fisch, der nichts vom Radfahren versteht.“
Noch skurriler wurde es dann mit der Co-Entertainerin Dr. Cecilia Scorza-Lesch: Sie behauptete, die Erde sei der einzige bewohnbare Planet, weil Asteroiden Wasser auf die heiße und trockene Erde brachten. Das hätten viele Asteroiden sein müssen, und sie hätten aus reinem Wasser bestehen müssen. Und wenn es viele Asteroiden aus Wasser gäbe, die durch das Weltall fliegen, dann müsste es doch im ganzen Weltall viel Wasser geben. Aber die Zuhörer in Friedberg schienen über den Inhalt der Rede gar nicht nachzudenken. Sie haben sich nur berieseln lassen.
3,5 % der Bevölkerung können den Rest bevormunden
Frau Scorza-Lesch lüftete das Geheimnis, was sie unter „sozialen Kipppunkten“ versteht: Nur 3,5 % der Bevölkerung können eine Verhaltensänderung bewirken. Die ganze Bevölkerung würde von den 3,5 Prozent zu klimafreundlichem Verhalten animiert werden. Mit dazu beitragen könne der „Klimakoffer“ von Harald Lesch mit 12 Experimenten. Der könne „auch im Fach Religion eingesetzt werden“. Vermutlich stimmt es sogar, dass 3,5 % der Bevölkerung den Rest bevormunden können, wenn diese 3,5 % als Lehrer, Zeitungsredakteure, Fernsehjournalisten, Google-Algorithmen-Programmierer und Abgeordnete tätig sind.
Das Ehepaar Lesch präsentierte auch die Lösung für das Klimaüberhitzungsproblem: einen starken Ausbau von Photovoltaik, Windstrom und Batteriespeichern. Und all das werde „billig durch Massenproduktion“. Dass die Solarzellen durch die Massenproduktion günstiger wurden, ist richtig. Aber dennoch hat der Ausbau der erneuerbaren Energien die Strompreise in die Höhe getrieben. Mehr Photovoltaik und mehr Windkraft bedeuten noch höhere Strompreise. Und mit zusätzlichen Batterien wird es nicht günstiger, zumal die Batterien nie die Stromlücken bei einer einwöchigen Dunkelflaute werden kompensieren können. Harald Lesch hat seinen Zuhörern viel Sand in die Augen gestreut.
Klimamodelle wurden nach unten korrigiert
Zum Schluss gab Harald Lesch nochmals eine Katastrophenwarnung ab: „Alles entwickelt sich schlechter als die schlimmsten Prognosen.“ Mit wissenschaftlichen Klimadaten kann diese These jedoch nicht untermauert werden. Seinem „Hoch auf die Wissenschaft“ zu Beginn seines Vortrages folgten im Laufe des Abends keine wissenschaftlichen Daten, sondern Superlative aus dem Wortschatz der Massenpsychologie. Die Klimamodelle der sogenannten „Klimawissenschaftler“ müssen ständig „nachmodelliert“ werden, um die Modelle dem realen Klimaverlauf anzupassen. Und da liegen die Temperaturen seit Jahrzehnten unter den Prognosen.
Am Ende konnte man Fragen online stellen, und die anderen konnten die Fragen unterstützen. Die Fragen mit einem hohen Rating wurden dann behandelt. Meine Frage, was er denn wissenschaftlich zur mittelalterlichen Warmzeit sagen kann, wurde natürlich vom anwesenden Lesch-Fanclub nicht oft angeklickt. Dafür schaffte es die Frage „Was macht Ihnen Mut?“, verlesen zu werden. Harald Lesch antwortete: „Die vielen tollen, engagierten Lehrer.“ Da ging ein wenig ein Raunen durch den Saal, von Seiten der Schüler, die auch gut in der Halle vertreten waren: Da war die Schleimspur dann doch etwas zu dick.
Gestärkt in der Überzeugung, schon immer das Richtige geglaubt zu haben und zu den „Guten“ zu gehören, gingen die Lesch-Jünger nach Hause. Mit Argumenten erreicht man diese Menschen vermutlich nicht. Aber vielleicht kann man die Leidtragenden der CO2-Bepreisung wachrütteln, indem man ihnen verdeutlicht, aus was für hohlen Phrasen die angebliche „Klimawissenschaft“ besteht.

Bilder: Dr. Steidl