„Wir hatten 40 gute Jahre – jetzt kommt die Rechnung“ - Gold-Legende Rick Rule in Frankfurt

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Gold-Legende Rick Rule im KLARTEXT-Podcast über Inflation, Währungsverfall und die Chancen für junge Sparer

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Sein Name ist seit Jahrzehnten ein Begriff in der Rohstoffszene: Rick Rule, US-Investor, Rohstofffinanzierer und bekennender Gold-Fan. Im KLARTEXT-Podcast spricht der 72-Jährige auf der Deutschen Goldmesse in Frankfurt am Main am 15.11.2025 offen über die Parallelen zwischen den 1970er Jahren und der Gegenwart – und warum er glaubt, dass der US-Dollar und der Euro in den nächsten zehn Jahren 75 Prozent ihrer Kaufkraft verlieren werden. Zugleich erklärt er, wie junge Menschen sich trotzdem eine solide finanzielle Basis aufbauen können.

Ich bin 72 Jahre alt und übe immer noch den Beruf aus, den ich mit 16 Jahren ergriffen habe“, sagt Rule gleich zu Beginn. Schon als Jugendlicher entschied er sich für die Rohstofffinanzierung – ein ungewöhnlich früher und ungewöhnlich konsequenter Weg. Seine Karriere startete in einer Zeit, die aus heutiger Sicht wie ein warnendes Lehrstück wirkt: den 1970er Jahren.


1971: Goldschock, Dollarabwertung – und ein historischer Goldboom


Auf die Frage, was 1971 geschah und warum dieses Jahr so wichtig war, antwortet Rule ohne Zögern. Er nennt drei entscheidende Entwicklungen in den USA: 1971 wurde in den Vereinigten Staaten der Goldpreis dereguliert.“

Bis dahin war der Goldpreis in Dollar politisch festgelegt, der private Goldbesitz für Amerikaner seit 1933 sogar illegal. Das änderte sich Anfang der 1970er Jahre: Goldbesitz wurde legal, die Preisobergrenzen wurden aufgehoben.

Parallel dazu geriet das Versprechen der USA, den Dollar jederzeit in Gold umzutauschen, unter Druck. Europäische Handelspartner – allen voran Frankreich – hatten die explodierenden US-Staatsausgaben für den Vietnamkrieg und Sozialprogramme genau beobachtet und begannen, ihre wachsenden Dollarreserven in physisches Gold zu tauschen. Die USA reagierten schließlich mit dem Bruch des eigenen Versprechens:

Die US-Regierung erkannte, dass dies nicht tragbar war, und setzte daher die Golddeckung aus, trotz unserer Versprechen [...] dass der Dollar immer in Gold konvertierbar sein würde.

Gleichzeitig begann die Inflation in den USA, die Bevölkerung spürbar zu belasten. Offizielle Inflationszahlen wirkten zunächst moderat, aber im Alltag sah es anders aus:

Die tatsächlichen Inflationsstatistiken rund um die Lebensmittelpreise, rund um die Benzinpreise, etwa im Bereich der Mietpreise, etwa im Bereich der Gesundheitskosten, wurde so deutlich, dass der durchschnittliche Arbeitnehmer verstand, dass sich ihr Lebensstandard im Laufe der Zeit nicht erhöht […] ihr Zustand verschlechterte sich.

Das Ergebnis: Der US-Dollar verlor in den 1970er Jahren dramatisch an Kaufkraft, während Gold explodierte.

Für die jüngeren unter unseren Zuhörern: In den 70er Jahren verlor der US-Dollar 75 % seiner Kaufkraft, und der Goldpreis stieg innerhalb von 10 Jahren um das 30-fache.

Für Sparer in Anleihen und Staatsanleihen war das eine Katastrophe. Für Investoren in Gold und ausgewählte Minenaktien hingegen war es ein Jahrzehnt historischer Chancen.


Die Parallelen sind verblüffend ähnlich

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Fünfzig Jahre später sieht Rick Rule eine beunruhigende Wiederholung der Geschichte. Zwischen 1945 und 1970 erlebten die USA eine Phase fast unangefochtener Hegemonie – wirtschaftlich, politisch, militärisch. Etwas sehr Ähnliches sieht er in der Periode von 1982 bis 2022: sinkende Zinsen, starker Dollar, Globalisierung, demografischer Rückenwind.

Doch diese Phase hält er für beendet:
Ich würde Ihnen vorschlagen, dass diese Epoche, diese vorteilhafte Epoche, im Jahr 2022 endete.

Wie in den 1960er Jahren, so Rule, seien die Warnsignale sichtbar: überzogene Staatsausgaben, steigende Schulden, zunehmender Druck auf die Mittelschicht. Der Unterschied: Die Summen sind heute ungleich größer, die Welt weitaus stärker verschuldet und vernetzt.

Seine Prognose fällt entsprechend drastisch aus:
Ich glaube, dass der US-Dollar, ähnlich wie in den 1970er Jahren, im kommenden Jahrzehnt, in den nächsten 10 Jahren, absolut gesehen 75 % seiner Kaufkraft verlieren wird.

Wichtig ist ihm die Unterscheidung: Er spricht bewusst von einem absoluten, nicht unbedingt von einem relativen Verfall gegenüber dem Euro. Auch in Europa sieht er massive strukturelle Probleme – Rentensystem, schwächelnde Realwirtschaft, insbesondere in Deutschland.


Gold als Versicherung – und als Hebel


Trotz dieser düsteren Aussichten bleibt Rule nüchtern. Gold ist für ihn kein magischer Fluchtpunkt, sondern ein Werkzeug – mit klaren Funktionen und Grenzen. Er unterscheidet drei Ebenen der Goldanlage:

1. Physisches Gold als Ersparnis und Versicherung:
Das eine ist physisches Gold. Und das gehört Ihnen als Ersparnis. Sie besitzen es, um Ihre Kaufkraft zu erhalten. Es ist im Grunde eine Versicherungspolice.“ Der Investor sollte im Idealfall hoffen, dass der Goldpreis gar nicht stark steigt – denn ein extremer Goldpreisanstieg signalisiert eine Krise, die das Leben in vielen anderen Bereichen unangenehmer macht.

2. Qualitativ hochwertige Goldminenaktien als Investment:
In den 1970er Jahren, erinnert sich Rule, stiegen die besten Produzenten im Schnitt etwa doppelt so stark wie der Goldpreis: „Traditionell erzielten die besten Goldunternehmen in den 1970er Jahren eine Preisentwicklung, die dem Doppelten des Goldpreisanstiegs entsprach.

Wenn Gold sich – wie von ihm erwartet – in den kommenden zehn Jahren in Dollar grob verdreifacht bis vervierfacht, hält er eine etwa sechsfach höhere Bewertung der besten Minen für realistisch. Garantien gebe es dabei aber keine.

3. Junior-Minen und Explorer als reine Spekulation:
Das ist keine Investition. Es geht nicht um Ersparnisse. Das ist reine Spekulation.
Historisch hätten die besten Junior-Portfolios in Goldbullenmärkten etwa viermal so stark zugelegt wie der Goldpreis selbst. Gleichzeitig warnt er eindringlich: Ohne Arbeit, Analyse und die Bereitschaft, heftige Kursschwankungen auszuhalten, haben Privatanleger in diesem Segment nichts verloren.


Ein 16-Jähriger mit 1.500 Euro – was tun?


Spannend wird es, als das Gespräch ganz konkret wird: Der Moderator legt die Figur eines 16-jährigen Sohnes vor, der merkt, dass „in dieser Welt etwas sehr Seltsames vor sich geht“ und erste Ersparnisse hat. Was soll ein Jugendlicher in dieser Lage tun?

Rule beginnt mit einer Antwort, die im Goldumfeld ungewöhnlich bodenständig wirkt:
Als Erstes würde ich Ihren Sohn bitten, in sich selbst, in seine Bildung und in seinen Charakter zu investieren.

Das Entscheidende sei, ein Mensch zu werden, der anderen mehr Wert stiftet, als er verbraucht:
Das, was ihm in seinem Leben am meisten nützen wird, viel besser als Gold, ist, ein Mensch zu sein, der anderen Menschen mehr Wert hinzufügt, als er von anderen Menschen konsumiert.

Die Differenz zwischen Produktion und Konsum nennt er Ersparnis – und daraus wird irgendwann Kapital. Ohne Ersparnisse kein Kapital, ohne Kapital kein Kapitalist, ohne Kapitalist keine echte finanzielle Unabhängigkeit.


Die vier Bücher, die „reich und gut“ machen sollen


Bevor der junge Mann über konkrete Anlageentscheidungen nachdenkt, soll er nach Rules Vorstellung vier Bücher lesen – in genau dieser Reihenfolge:

  1. „Wirtschaft in einer Lektion“ von Henry Hazlitt
  2. „Der intelligente Investor“ von Benjamin Graham
  3. „Security Analysis“ von Graham und Dodd
  4. „Human Action“ von Ludwig von Mises

Rule formuliert es pointiert:
Wenn Ihr Sohn diese vier Bücher liest und die Lehren aus diesen vier Büchern anwendet, wird er A) reich werden und B) ein guter Mensch werden – eine wunderbare Kombination.
Human Action sei dabei das Werk, das erkläre, warum die anderen drei Bücher wahr sind – es gehe darum, wie Menschen denken, handeln und Nutzen schaffen.


Ein einfaches, aber anspruchsvolles Portfolio


Und wie soll der 16-Jährige mit seinen 1.500 Euro konkret anfangen? Rule skizziert eine einfache Struktur:

  • 10 Prozent (150 Euro) in physisches Gold – als langfristigen Sicherheitsanker.
  • Ein kleiner Betrag in Liquidität (z.B. 200 Euro) in kurzfristigen Euro-Beständen:

Er räumt ein, dass diese Einlage real an Wert verliert, aber:
Wer über Bargeld verfügt, wenn andere keines haben, und den Mut zum Handeln besitzt, wenn andere Angst haben, kann außergewöhnliche Gewinne erzielen.

  • Ein Teil in qualitativ hochwertige Goldproduzenten – Namen wie Franco-Nevada, Wheaton Precious Metals oder Agnico Eagle fallen.
  • Ein optionaler kleiner Teil in Junior-Minenaktien – aber ausschließlich, wenn der junge Mann bereit ist, die nötige Arbeit zu leisten.

Seine Faustregel für Spekulationen:
Ich würde Ihrem Sohn vorschlagen, dass er so viele Aktien besitzt, wie er Stunden pro Monat mit dem Studium seiner Aktien verbringt. Wenn die Antwort darauf ‚keine Stunden‘ lautet, dann kann er keine Spekulationen besitzen.


Krise als Prüfstein – und als Chance

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Am Ende des Gesprächs richtet Rick Rule den Blick noch einmal über die Märkte hinaus. Er sieht einen „enormen Währungsverfall auf der ganzen Welt, insbesondere im Westen“ und verweist auf aktuelle Konflikte wie den Krieg in der Ukraine oder im Gazastreifen. Die wirtschaftlichen Exzesse der vergangenen Jahrzehnte würden nicht folgenlos bleiben:

Die meisten Menschen glauben, dass die Vergangenheit die Vorgeschichte ist, und ich glaube, dass die Folgen der Exzesse, die wir drei in den letzten 40 Jahren genossen haben, in den nächsten 10 Jahren fällig werden.

Doch trotz aller Warnungen ist seine Botschaft nicht fatalistisch. Er ruft dazu auf, Budgets und Ersparnisse ehrlich zu prüfen, Ausgaben zu senken, Einkommen zu erhöhen und Anlagestrategien anzupassen – und vor allem nicht zu resignieren:

Es ist wichtig, dass Ihre Zuhörer, wenn sie dies bedenken, nicht in Panik geraten oder sich in der Ecke zusammenrollen und weinen, denn wer es nicht versucht, verliert mit Sicherheit.

Krise, so seine Sicht, ist auch ein Charaktertest – und eine Gelegenheit für diejenigen, die bereit sind, Verantwortung für ihr eigenes Handeln zu übernehmen.

Anm.d.Red.: Hier geht’s zum Podcast des vollständig untertitelten KLARTEXT-Interviews mit Rich Rule: www.klartext-rheinmain.de